Lafontaine und die leichte Dichtung
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Schule, im Gehalt begegnen wir der alten überkünstelten undüberschwenglichen Art, die Liebenden „entflammen mit ihrenSeufzern die Luft, welche sie atmen", sind „unglückliche Sklavenihrer kühnen Wünsche" und strengen sich umsonst an, den göttlichenNymphen zu gefallen, zu denen sie ihre Augen erheben. Auchdas größere Hirtengedicht in fünf Gesängen: „Ath y s", läßt nurdarin einen Fortschritt erkennen, daß der Versuch gemacht wird,in gedrängter Form und in den einfachen Alexandrinern derpoetischen Erzählung einen Vorgang darzustellen, den um eineGeneration früher die Poeten des Hotel Rambouillet in einemlangatmigen Schäferroman oder in einem großen Pastoraldramamit Chören behandelt haben würden, und daß sich der Poet ge-legentlich mit geistreichem Scherz über seine Personen und Aben-teuer hinaussteckt. Man merkt am besten, daß es Segrais nichtleicht gefallen ist, sich zu diesem der veränderten Zeit ange-messenen Ton zu steigern, weil beinahe alle seine lyrischen Oden,Sonette, Madrigale und Rondeaus in der Weise der süßlichkoketten und falsch pathetischen Poeten der dreißiger und vier-ziger Jähre des Jahrhunderts gehalten sind. Ihm ist eben Chape-lain noch der französische Virgil, er bewundert noch die oartsäs Muclrs der Scudery und bequemt sich den neuen Ansprüchennur, weil ihm ein Rest natürlicher Empfindung verblieben undein Zug zur Einfachheit aus seinen Studien der VirgilschenGeorgiken erwachsen war.
Neben Segrais erfreute sich Antoinette Deshoulieres,geborne Du Ligier de la Garde, eines außerordentlichenRufs als Jdhllendichterin. Sie war um 1637 zu Parisgeboren, hatte eine ungewöhnlich gute Erziehung und Bildungerhalten und bald nach ihrer Verheiratung bewegte Jahredurchlebt. Ihr Gatte gehörte zu den Anhängern der Fronde,den Höflingen des Prinzen von Conde und flüchtete mitdiesem nach Brüssel. Madame Deshoulieres folgte ihrem Ge-mahl, ward wegen eines Zerwürfnisses, in das sie mit demspanischen Gouverneur von Brüssel geriet, im Schloß von Vil-vorde eingekerkert, gewaltsam durch Herrn von Deshoulieresbefreit und kehrte mit ihm, der amnestiert worden war, nachParis zurück, wo sie durch ihre ungewöhnliche Schönheit undihre litterarischen Bestrebungen lange Zeit einen Kreis vonFreunden und Bewunderern um sich zu sammeln wußte. Unterdem Namen „Amaryllis" trat sie im „Usi-ours galant" mit den