Lafontaine und die leichte Dichtung.
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tensionslose Leichtigkeit. Sie bevorzugten in ihren litterarischenProdukten die sangbaren Rhythmen und bedienten sich zur Dar-legung ihrer Genußphilosophie höchstens der Epistel, welcherjeder Inhalt gegeben werden konnte, und die sich ebensowohl mitdem Geist eleganter Leichtfertigkeit und kecken Spottes als mitdem ernster doktrinärer Würde erfüllen ließ. Die „l'ossiss W-Alüvss" dieser Lyriker entsprachen zu sehr einer bestimmtenSeite des französischen Nationalcharakters, als daß sie selbstunter der Herrschaft des Klassizismus und der höfischen Würdezu verdrängen gewesen wären. Der Dichterkreis, welcher eineepikureische Weltanschauung und die sorglose Heiterkeit desaltfranzösischen Naturells in der Poesie des 17. Jahrhundertsvertrat, fand sich vielfach in dem Haus der geistvollen, üppigsinnlichen Ninon de l'Enclos, der französischen Aspasia, zusam-men, deren ganze Existenz sich wie ein lebendiger Protest gegenalle heuchlerische Tugend und allen sauren Ernst, freilich auchgegen Tugend und Ernst überhaupt ausnahm. Der hervor-ragendste unter diesen Poeten war Guillanme Amerye deChaulieu, geboren 1639 zu Fontenah und in früher Jugendzum Zweck der Studien nach Paris gesandt, wo er das Collegede Ravarre besuchte und jene vornehmen Verbindungen erwarb,welche späterhin zum Behagen seines Lebens so viel beitrugen.Er ging im Gefolge einer Gesandtschaft an König Johann So-bies'ki nach Polen und ward nach seiner Rückkehr nach Parisdurch die Gunst der beiden Vendömes, des Herzogs und desGroßpriors, mit geistlichen Pfründen überhäuft, die ihm ge-statteten, bei reichem Einkommen das Leben nach seiner Weisezu genießen. Sein Dasein verlief im wesentlichen zwischen Ver-gnügungen, Festen, Liebschaften und Abwechselungen jeder Art;aber der Von ssns seines echt französischen Naturells wie seinGeist und Witz bewahrten ihn davor, in gemeiner Schlemmereioder Wüstheit unterzugehen. Seinem Ausspruch: „In Freudenschwimmend, aber fähig für Geschäfte" blieb er in der Ver-trauensstellung getreu, welche er bei den Vendömes genoß.Nach einem laugen, genußreichen Dasein, gegen dessen Ende nochder jugendliche, talentvolle Arouet (Voltaire) sein Schüler inder Lebenskunst und leichten Verskunst geworden war, starbChaulieu am 27. Juni 1720 zu Paris. Als Dichter zeichneteer sich durch eine Reihe von Episteln, Oden und kleinen Gedich-ten aus, welche die lebensprühende, leidenschaftliche, gcnußsüch-