Lafontaine und die leichte Dichtung.
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mit Boileau völlig aussöhnte, konnte der von ihm angeregteStreit nicht beschwichtigt werden und lebte in den verschiedenstenlitterarischen Bestrebungen und Kämpfen des 18. Jahrhun-derts fort.
Perraults eigner poetischer Ruhm aber erwuchs weder ausdem Gedicht „Der heilige Paulinus" („8s.im l?uuliii, svß^usäs Xols"; Paris 1686) noch aus seinem Lehrgedicht „DieMalerei" („llosms surl» xeintnrs"), sondern aus jenen reizen-den Märchen in Prosa und in Versen, deren erste Sammlungals die „Geschichten meiner Großmutter"* („Oontos äsIN» msre I'Oxo, oa bistoirss äu tsrnxs xn88o"; erster Druck, eben-da). 1697; neueste Ausgabe mit den Illustrationen von Dore,ebendas. 1862) die alten Märchen: „Dornröschen", „Rotkäpp-chen", „Blaubart", „Der gestiefelte Kater", „Aschenbrödel",„Riquet mit dem Schöpf", „Der kleine Däumling" in außer-ordentlich einfacher und anmutiger, leicht ironischer Wieder-erzählung brachte. Die kleinen Meisterstücke erregten selteneTeilnahme und behaupteten ihre Geltung bei alt und jung trotzeiner anschwellenden Flut von Seitenstücken und Nachahmungen.Der erste Wurf war, wie oft, der glücklichste; Perrault wendetesich nach Hettners Ausdruck „unmittelbar an die Überlieferungendes lebendigen Volksmunds. Die alten Volksmärchen hat erso rein aufgefaßt, so natürlich, so volkstümlich und echt kinder-mäßig erzählt, als es die damals schon abgeglättete französischeSchriftsprache nur immer zuließ." („Litteraturgeschichte des 18.Jahrhunderts", I. Bd., 4. Aufl., Braunschweig 1881, S. 58.)Große Vorzüge, obwohl nicht die volle Frische der„Erzählungender Mutter Gans" wiesen auch Perraults „Erzählungen inVersen" („Oontes en vsr»"): „Die Ejelshaut", „Griseldis" und„Die thörichten Wünsche" auf.
Mit dem Erfolg Perraults war das Signal zu zahlreichenVersuchen ähnlicher Art gegeben, vorzugsweise im Schoß dervornehmern Gesellschaft erwuchsen die Schüler oder besser dieSchülerinnen Perraults, unter denen die GräfinMarie Cathe-rined'Aulnoy die bedeutendste war. Diese Schriftstellerin ward1650 geboren und starb als Gemahlin des Grafen Francois dela Mothe d'Aulnoy 1705 zu Paris. Ihre litterarische Haupt-
* Deutsch von I. D. Sander (Berlin 1825), von Moritz Hartmaun(Stuttgart 1872).
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