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Vierter Band
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148 Hunderiundsechstes Kapitel. Lafontaine und die leichte Dichtung.

thätigkeit, die Abfassung einer Reihe von Halbromanen, welchesich als „Memoiren des spanischen Hofs" („Nömoirss 6sIn eour ä'LsMZns", Paris 1690), „Mem o treu des englischenHofs" („Nörnoiros äv In. Lour ä'^.ilAlsisrrs" , ebendas. 1695),„Geschichte des Grafen Douglas" („Ulmoirs ä'HipxolMs,oomts äovuglas", ebendas. 1690) als Beiträge zur Zeitgeschichtedarstellten, würde ihr Gedächtnis kaum erhalten haben. Abergegen das Ende ihrer Laufbahn verfaßte sie ihre „Fe enmär-chen"* („Lontss äss Kss"; erster'Druck, Paris 1698; neuesteAusgabe, ebendas. 1864), welche der von Perrault gegebenen An-regung folgten und sich gleichfalls durch eine gewisse leichte An-mut auszeichneten. Freilich mischten sich in einzelnen ihrer Er-findungen bereits wieder Elemente der eigentlich gesellschaftlichenLitteratur ein, die versteckten Beziehungen auf Zeitereignisse undHofvorgänge, die mit einer gewissen Feinheit mit den Märchenverbunden wurden. In andern Geschichten der Gräfin d'Aulnohist hingegen eine Kindlichkeit vorherrschend, an welche ein sogeistreicher Spötter wie Graf Autoine Hamilton anknüpfenkonnte, als er in seinen „Erzählungen" („Lautes"; erster Druck,Paris 1714) die Mode gewordenen Feenmärchen zu parodie-ren begann. Jedenfalls erwiesen die bessern Märchendichtun-gen, die Perraults und der d'Auluoy voran, daß neben demBedürfnis pach dem freiern Spiel der Phantasie die Fähigkeitzur naiven, unmittelbaren Darstellung, zur lebendigen Wieder-gabe volkstümlicher Überlieferungen auch in der Periode desKlassizismus bewahrt worden war. Zunächst fehlte dieser Fähig-keit ein bedeutender bleibender Inhalt, stand sie zu sehr im Diensteder Mode; aber mit dem im Wendepunkt des 17. und 18. Jahr-hunderts eintretenden Umschwung sollte sich ihr Vorhandenseinals wichtig für neue Entwickelungen der französischen Litteraturerweisen.

' Ins Deutsche übertragen von R. Z. Becker (?) in der „Blauen Bi-bliothek aller Nationen" (Gotha 1790).