Hundertundsiebentes Kapitel.
Die klassischen Prosaisten.
1) Blaise Pascal.
Die Eigenart des französischen Klassizismus: den innerlichenUnterschied zwischen den Werken der Beredsamkeit und der Dich-tung möglichst auszugleichen und die Trennung auf eine reinäußerliche zu reduzieren, gibt den Prosaisten, welche sich aufandern Gebieten als dem der Lebensdarstellung hervorgethanhaben, eine außerordentlich erhöhte und verstärkte Bedeutung.In keiner zweiten Litteratur stehen der historische und populärephilosophische Schriftsteller, der Redner, der Essayist und Bries-schreiber so unmittelbar neben dem schöpferischen Dichter, in kei-ner zweiten Litteratur ist die gemeinsame Arbeit an der höchstenAusbildung der Sprache so unumwunden als Hauptaufgabe auchder poetischen Talente betrachtet worden wie in der französischen.Die Vollkommenheit des Ausdrucks, welche die Poesie zu errei-chen strebte, war ihr zum Teil durch Prosaisten vorgebildet wor-den, die an nichts weniger als an poetische Darstellung dachten.Unter den Klassikern der Periode Ludwigs XIV. erscheinen eineReihe nur reflektierender oder rhetorischer Schriftsteller, die aberihre Reflexionen mit höchstem Geschmack, in reinstem Französischvortragen. Überall vielleicht kann eine Geschichte der Dichtungohne Berbindung mit der Geschichte der nicht poetischen Prosagedacht werden. In Frankreich ist dies schlechthin unmöglich:ein Teil des Glanzes der goldnen Litteraturperiode beruht darauf,daß die großen Werke der Beredsamkeit mit den großen Werkender Dichtung in derselben Reihe stehen.
Unter den Prosaisten, welche dieser Epoche angehören, gehtBlaise Pascal allen voran. Als Sohn des ParlamentsratsStephan Pascal am 19. Juni 1623 zu Clermvut geboren, in