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Hundertundflebenies Kapitel.
früher Jugend mit den Seinigen nach Paris übergesiedelt, em-pfing er eine von der gewöhnlichen abweichende Erziehung,wurde durch den Unterricht seines Vaters mit den alten Spra-chen frühzeitig vertraut und bewährte sich bereits im 18. Lebens-jahr als scharfsinniger und hochbegabter Mathematiker. Auchnachdem er mit feiner Familie 1640 infolge einer Anstellungdes Vaters nach Rouen gezogen war, fetzte er daselbst mathe-matische und naturwissenschaftliche Studien mit Eifer fort, ob-schon feine erste ernste Beschäftigung mit religiösen Fragen eben-falls in diese Zeit gefallen zu sein scheint. Pascals nachmaligerAnschluß an die Jansenisten von Port Royal ward durch gewisseEindrücke der Jahre zwischen 1640 und 1646 vorbereitet. Jeden-falls aber gehörte er noch längere Zeit dem Weltleben an, kehrtenach Paris zurück, um seine wissenschaftlichen Arbeiten fördernzu können, und scheint zu ebendieser Zeit auch durch eine leiden-schaftliche Neigung ergriffen worden zu sein und nach einer Stel-lung getrachtet zu haben, welche ihm die Vermählung mit deran Rang über ihm stehenden Geliebten ermöglicht haben würde.Seine Schwester Jacqueline war inzwischen Nonne des KlostersPort Royal geworden, vermochte aber den geliebten Bruderweder von diesen in ihrem Sinn ganz unbegreiflichen Vorsätzennoch von andern weltlichen llnwürdigkeiten (deren schlimmstedas Fahren in stattlicher Karosse und mit vier Pferden gewesenzu fein scheint) zurückzuhalten. Ob es nun die Enttäuschungseiner weltlichen Hoffnungen war, welche ihm sein ganzes bis-heriges Leben und Treiben schal und öde erscheinen ließ, ob einejener so geheimnisvollen allgewaltigen Seelenregungen in ihmerwachte, welche den Mystikern allerZeiten als Erleuchtung oderDurchbruch der Gnade galten — gewiß bleibt, daß sich Pascalseit November 1654 gänzlich einem neuen Leben zuwandte, sichdem Kreis jener asketischen Einsiedler anschloß, welche, in derNähe von Port Rohal wohnend, ihren theologischen Studien,ernsten Betrachtungen und Werken der Mildthätigkeit lebtenund als Anhänger der von dem Löwener Professor CorneliusJansen neuverkündeten altaugustinischen Lehre von der gött-lichen Gnade und dem freien Willen, als „Jansenisten", vielfachverketzert und namentlich von den Jesuiten mit allen Waffenbekämpft wurden. Pascal stimmte mit seinen neuen Freundenund Geistesgenoffen, den Arnauld, Pierre Nicole, Perrault undandern, in den Grundanschauungen des „Janfenismus" völlig