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HundertunLfiebenteS Kapitel.
schweren Schläge auf die Moralanschauung und die geistlichePraxis des berühmten Ordens, welche Pascal führte, konntenweder vergessen, noch überwunden werden. — Pascals weitereLebensjahre wurden dein Entwurf einer großen Apologie desOffenbarungsglaubens gewidmet. Trotz seines sich beständigverschlechternden Gesundheitszustands arbeitete er eifrig an die-sem Werk, bis ihn der Tod am 19. August 1662 entraffte. Ausseinem Nachlaß traten dann die „Gedanken über die Religion"als Fragmente des geplanten großen Werks hervor.
Pascals geistige Stellung gehört zu den eigentümlichsten,von denen die Geschichte der Litteratur zu berichten weiß. Dertief ernste und finster strenge Asket, welcher im ganzen Lebennur eine Vorbereitung zum Tod erblickt, welcher aus der herbenWahrheit, daß jeder Mensch allein sterben muß, die Konsequenzzieht, daß der Mensch auch am besten allein lebe, und in kalterVerachtung allen Weltlockungen den Rücken kehrt, der Mystiker,welcher empfindet, „die Natur trägt überall die Spur einesVerlornen Gottes im Menschen und außer ihm", und mit denältesten Kirchenvatern in der Besiegung der Natur die eigensteBestimmung des Menschen und des Christen erblickt, galt denVerfechtern der kirchlichen Autorität gleichwohl als Ketzer undfand seine Bewunderer beinahe nur unter solchen, die seinenGlauben nicht teilten. Der Verächter aller Herrlichkeiten derErde, der im einunddreißigsten Jahr seines Lebens selbst derWissenschaft den Rücken zuwandte, erhob sich zum meisterhaftesten,glänzendsten, elegantesten Stilisten der großen Litteraturperiode,deren Morgenröte soeben angebrochen war. Generation aus Ge-neration, welche der Streit zwischen Port Rohal und den VaternJesu seiner Wesenheit nach nicht kümmerte, nahm bewunderndenAnteil an der Geistesschärfe, der unübertrefflichen Klarheit, anderSchönheit und Vollkommenheit des Ausdrucks, mrt denen Pascalsowohl seine polemischen Blätter gegen die Jesuiten schmückte,als seine schwer ernsten innersten Gedanken und Empfindungenenthüllte. Die „Provinzialbriefe" („1-ss xrovMeirckss, onIsttres öeritos xar I-ouis äs ttloutslts ü xroviimiat äss sssWillis": erster Druck, Paris 1656—1657; neueste Ausgabe vonA. Lesieur, ebendas. 1867) dürfen mit ihrem ethischen Pathos,ihrem feinen, schneidenden Spott, ihrer unvergleichlichen Bered-samkeit als eins jener großen Meisterwerke der Polemik ange-sehen werden, welche, ganz abgesehen von ihrem Gegenstand,