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HundertundachteS Kapitel.
Jünger als die obengenannten Dichter und mehr Fortsetzerals Teilnehmer ihrer Bestrebungen war der VaudevilledichterCharles Francois Panard, geboren 1694 zu Chartres, derals kleiner Beamter in Paris lebte und am 13. Juni 1765dort starb. Er gab wenige Jahre vor seinem Tod eine Samm-lung seiner „Werke" („dwvrss", Paris 1763) heraus, derenbeste und frischeste Stücke der Zeit angehörten, wo ihn Legrandfür das Theätre de la soire und die Komische Oper gewann.Der „Lafontaine des Vaudevilles", wie er gelegentlich getauftworden ist, schrieb mehr als achtzig jener dramatischen Kleinig-keiten, in denen Handlung und Charakteristik für nebensächlichgalten und launige Einzeleinfälle, vor allem aber die lyrischenTeile, Chansons und Couplets, dem Dichter wie dem Publikumzur Hauptsache wurden. Die leichte Fröhlichkeit, der flüchtige,blitzende Witz seiner Gesänge waren ganz nach dem Herzen desGeschlechts, das in den Tagen der Regentschaft des Herzogs vonOrleans erwachsen war. — Neben Panard tauchten rasch andreVaudevillisten auf, von denen natürlich ein Teil die neue Formzur Darlegung ihrer mehr als flüchtigen und fröhlichen, ihrerschlechthin frivolen und liederlichen Lebensauffassungen undEmpfindungen benutzten.
3) Die Schreckenstragödie.
Die Ausbreitung, welche die Litteratur der leichten und vomKlassizismus halb geächteten Gattungen in den beiden erstenJahrzehnten des 18. Jahrhunderts gewann, war nicht das ein-zige Lebenszeichen einer wachsenden Opposition gegen den Königund Boileau, gegen Hof und Akademie. Selbst auf dem Gebietder Tragödie, dem eigentlich geheiligten Boden der poetischenHoheit und des reinen Stils, traten Erscheinungen zu Tage,welche wie ein Protest gegen die Unterordnung der Poesie unterden engen, subjektiven und zufälligen Geschmack des Selbstherr-schers, freilich daneben auch wie ein Protest gegen das ewig gül-tige künstlerische Gleichmaß wirkten, nach dem Racine und seineunmittelbaren Schüler gestrebt hatten. Das Auftreten einesTragikers wie Crebillon erwies, daß es auch im Rahmen dergegebenen Tragödie, ohne ihre äußerlichen Gesetze zu verletzen,