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Vierter Band
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Hundertmdachtes KapilcI.

Er war indessen nicht so völlig vergessen und verlassen,wie es (um des Kontrastes willen) in späterer Zeit darge-stellt wurde. 1731 ward er Mitglied der französischen Aka-demie, 1735 zum königlichen Zensor ernannt. Von seinempoetischen Talent erwartete damals schwerlich irgend jemandnoch neue Gaben. Aber ein eigentümliches Zusammentreffender Umstände sollte dem alternden, mißtrauisch und menschen-feindlich gewordenen Dichter eine seltsame Auferstehung berei-ten. Um 1745 stand der inzwischen zum Ruhm und zum erstenPlatz in der französischen Litteratur gelangte Voltaire wiedereinmal so schlecht als nur immer möglich bei Hof und bei deram Hof allmächtigen Marquise von Pompadour. Man bedurfteeines Talents, das sich dem Verhaßten gegenüberstellen ließ,und geriet auf den Einfall, den alten Dichter des „Atreus" und„Rhadamistes" neu zu erfinden. Mit großem Pomp und Hallohwurden seine Tragödien wieder einstudiert, Crebillon selbst zumköniglichen Bibliothekar ernannt und mit einer besondern Pen-sion begnadigt. Die zahllosen Gegner Voltaires stimmten indie begeisterten Lobreden auf Crebillon ein, der alte Dichter sahsich mit einemmal im Mittelpunkt des französischen Litteratur-lebens, man trieb ihn an, fein Schweigen zu brechen und Bühneund Litteratur mit neuen Dichtungen zu bereichern. Er ließ sichverführen, ein Trauerspiel: „Catilina", welches er vor Jahrenbegonnen hatte, jetzt auszuarbeiten, und dasselbe ward, obschonihm Voltaire aus der Stelle seine Tragödie gleichen Stoffs:„Das gerettete Rom" entgegensetzte, mit einem ungeheuern Er-folg gegeben. Mit einer letzten (1754 aufgeführten) Tragödie:„Das Triumvirat", schloß Crebillons litterarische Laufbahn, erselbst starb, 88 Jahre alt, am 17. Juni 1762 zu Paris.

Die eigenartige Stellung der Crebillonschen Schöpfungenin der Geschichte der französischen Dichtung ist schon eingangscharakterisiert worden. In der Empfindung, wie eng begrenztdas Gebiet sei, auf welches die klassische Ästhetik den französischenTragödiendichter gebannt hatte, weit entfernt davon, das gegebeneäußere Gesetz zu verletzen, lehnte sich Crebillon gegen das innereGesetz, auch in der Natur der dargestellten Vorgänge durchauswürdevoll und gleichsam hoffähig zu bleiben, entschieden auf.Das Furchtbare, Schreckliche stellte sich ihm als ein tragischesElement dar, mittels dessen neue Wirkungen erzielt werdenkonnten. So suchte er vorzugsweise Stoffe, in denen sich das