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HundertundachtcS Kapitel.
das Ausland wirkten, waren ihm nur in bescheidenem Maß zueigen. Seine ganze Erscheinung half erweisen, daß die besondereKultur und Lebensauffassung des Zeitalters Ludwigs XIV. vordem Tode des greifen Herrschers im Verschwinden begriffen wa-ren. In den gleichen Jahrzehnten, in denen die Schöpfungen desKlassizismus im engern Sinn auf das gesamte gebildete Europazu wirken begannen, hatte in Frankreich selbst ein Umbildungs-prozeß begonnen, der sich auch in der Tragödie des „Schreckens"kundgab.
4) Die Flüchtlingslitteratur.
Alle seither geschilderten Oppofitionsrichtungen und Leistun-gen waren in der Hauptsache (Fenelons „Telemach" und einpaar dramatische Anläufe ausgenommen, Welche eine Art poli-tischer Tendenz hatten) ästhetischer und litterarischer Natur. DasMißgesühl, welches die französische Gesellschaft während desspanischen Erbfolgekriegs mehr und mehr durchdrungen und zer-setzt hatte, machte sich in der Begünstigung von Dichtungsfor-men und poetischen Naturen Lust, von denen man wußte undfühlte, daß sie dem alternden Selbstherrscher und seinen einfluß-reichsten Umgebungen antipathisch oder geradezu verhaßt waren.Die aufgezwungene Frömmigkeit und Devotion fand ihren na-türlichen Rückschlag in der Begünstigung der heitern, leichtenGattungen, jeder Sinnlichkeit und jeder Frivolität, welche sichin der poetischen Produktion geltend machte. Der Tod Lud-wigs XIV. und die ihm folgendeZeit der Regentschaft trieben alleKeime und Ansätze zu einer Oppositionslitteratur auch aus poe-tischem Gebiet zu rascher Entfaltung und Blüte, aber die Aus-saat war überall in der letzten Periode des „großen Königs"erfolgt.
Und noch eine zweite Art der Opposition, unendlich kühner,bitterer, schärfer, machte sich mit den Mitteln der französischenLitteratur: mit der durchgebildeten Sprache und der Ver-breitung dieser Sprache über ganz Europa, energisch geltendund dem Selbstherrscher fühlbar. Die Flüchtlingslitteratur, wieman sie nennen darf, die litterarischen Lebensäußerungen derdurch Ludwig XIV. aus Frankreich vertriebenen Freidenker,Jansenisten und vor allen der französischen Protestanten, war