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Vierter Band
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Hundertimdelftes Kapitel.

hohle und trockne Deklamation, in welcher sich die gespreizteTragödie ergeht, erinnert nur so an die bessern französischenDramen, wie eine Karikatur an das lebendige und unentstellteOriginal gemahnt. Die spätern Trauerspiele Gottscheds: „DieParisische Bluthochzeit König Heinrichs IV." (1745, inder „Deutschen Schaubühne" nach den Regeln der alten Griechenund Römer eingerichtet) und der „Agis" (ebendas.), sowiedas Schäserspiel „At alant a" können an dem Verdammungs-urteil, welches Gottscheds dramatisches Nichttalent trifft, nichtsändern.

Was seine Dichtungen verrieten, sprach Gottsched theoretischunumwunden aus. Seine „Kritische Dichtkunst für dieD euts ch en" (Leipzig 1730, als „Versuch einer kritischen Dicht-kunst durchgehends mit den Exempeln unsrer besten Dichtererläutert" 1751 wiederholt) sprach es offen aus, daß er nureine Lehrdichtung wolle und begreife. „Da es möglich ist, dieLust mit dem Nutzen zu verbinden, und ein Poet auch ein recht-schaffener Bürger und redlicher Mann sein muß, so wird ernicht unterlassen, seine Fabeln so lehrreich zu machen, als es ihmmöglich ist; ja er wird keine einzige ersinnen, darunter nicht einewichtige Wahrheit verborgen läge." Daher bleiben alle Unter-schiede der einzelnen Dichtungsgattungen für Gottscheds Ästhetikvöllig äußerliche und gleichsam zufällige. Denn „zu allererstwähle man sich einen lehrreichen, moralischen Satz nach Be-schaffenheit der Absichten, die man sich zu erlangen vorgenommen;hierzu ersinne man sich eine ganz allgemeine Begebenheit, worineine Handlung vorkömmt, daran dieser erwählte Lehrsatz sehraugenscheinlich in die Sinne fällt. Nunmehro kömmt es auf michan, wozu ich diese Erfindung brauchen will, ob ich Lust habe,eine äsopische, komische, tragische oder epische Fabel daraus zumachen." Unter diesen Voraussetzungen kann es nicht auffallen,daß Gottsched vom tiefern-Unterschied zwischen der Dichtkunstund Rhetorik keine Ahnung hat; seine „R edekunst" (Hannover1728) war der „Kritischen Dichtkunst" noch vorangegangen, unddie letztere hat ihm jederzeit nur als eine Redekunst mit beson-dern Formen gegolten. Auch für die Bühne besaß er keinunmittelbares Verständnis, sie war ihm eine andre Redekanzel,auf welcher die didaktische Absicht unbedingt herrschen und dieRichtigkeit der Regel um jeden Preis erwiesen werden mußte.

Unter Gottscheds Anhängern und Schülern steht seine Gattin