Hunder tun ddreizehntes Kapitel.
Addison und die moralischen Wochenschriften.
Die geschilderten politisch-geselligen Verhältnisse und be-sondern geistigen Regungen in England sowie ihre notwendigenEinwirkungen aus die Litteratur traten von Haus aus in keinenseindseligen und bewußten Gegensatz zur herrschend gewordenenVerehrung des Klassizismus. Denn die bezeichneten Rück-wirkungen begannen in demselben Jahrzehnt, in welchem derRuhm Popes erwuchs und zahlreiche Schüler und Nachahmerdes Meisters erweckte; sie liefen neben den Bestrebungen her,poetische Schöpfungen von der als unübertrefflich erachtetenKlarheit und künstlerischen Feinheit Racines und Molieres zugewinnen; sie machten sich zunächst hauptsächlich auf Nebenge-bieten der englischen Litteratur geltend, für die es französischeVorbilder nicht gab; sie wurden als willkommene Ergänzungenzu den gepriesenen poetischen Schöpfungen der Zeit, nicht aberals Anfänge einer ganz neuen Richtung der Litteratur begrüßt.Das ganze eigentümliche Verhältnis dieser selbständigen und imbesondern Boden Englands wurzelnden Litteraturerscheinungen,die Durchschnittsbildung und Durchschnittsanschauung der Zeittreten uns klar in der Persönlichkeit und der litterarischen Wirk-samkeit eines Schriftstellers entgegen, der die beidennebeneinanderhergehenden und unbewußt gegensätzlichen Richtungen in seinerPerson verband, der in gewissen Leistungen völlig abhängig vonder französischen Musterlitteratur erscheint und mit andern Ar-beiten der Vorläufer einer entschiedenen Emanzipation des eng-lischen Schrifttums, ja einer Entwickelung ward, die ihrerseitsgroßen Einfluß auf die französische Litteratur der Aufklärunggewann. In Addison erscheinen die Bedingungen, unter denenin England die „moralischen Wochenschriften" entstanden undeinen beinahe unberechenbaren Einfluß auf Geist und Wesen