Jonathan Swift und die englische Satire.
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haben. Swift war ein Nachgeborner, sein Vater bereits in demFrühling, der Jonathans Geburt voranging, gestorben, ein Um-stand , welcher in Verbindung mit spätern rätselhaften Dunkel-heiten in Swifts Leben viel zu der Vermutung beigetragenhaben mag, daß Swift ein natürlicher Sohn Sir William Tem-ples, des Staatsmanns, gewesen sei, eine Vermutung, die wei-terhin durch die Gewißheit unterstützt wurde, daß Jonathanseine frühsten Kinderjahre in England verbrachte. Jedenfallswaren alle Jugendverhältnisse des Autors danach angethan,ihn frühzeitig die Welt mit andern Augen betrachten zu lassen,als es von Kindern in der Regel geschieht. In dürftiger Um-gebung, oft materielle Not empfindend, durchaus abhängig, da-bei aber mit dem Trieb zu trotziger Selbständigkeit, mit starkemEhrgeiz und Ehrgefühl, mit einer früh entwickelten Ader desWitzes, mußte der Knabe bereits zum Satiriker werden. DerKontrast zwischen seinem Wollen und Wünschen und seiner that-sächlichen Lage drückte schon jetzt einen Stachel in seine Seele.Jonathan besuchte wenige Jahre nach seiner Rückkehr nachIrland die erste Schule zu Kilkenny und begann im Vertrauenauf die ihm von seinem Oheim Godwin Swift zugesagte Unter-stützung, 15 Jahre alt, 1682 im Trinity College zu Dublin dieklassischen Studien. Doch die Unterstützung floß immer spär-licher, unregelmäßiger; mehr als einmal soll der junge Swiftdem Hungertod nahe gewesen sein. Die nächste Folge war einegewisse Unregelmäßigkeit seiner Studien. Die ganze vorgeschrie-bene Disziplin, der veraltete Lehrplan und die Begünstigungder Vornehmen und Wohlhabenden unter den Studenten erreg-ten gleichmäßig Swifts Widerwillen und Widerstreben. Erhatte sich zum Geistlichen bestimmt, weil dieser Stand, obwohler nach Macaulays Worten damals in England im ganzen alseine plebejische Klasse betrachtet ward, doch einige Aussichtenauf Emporsteigen darbot. Aber seine Vorbereitungsstudien fürdie Theologie waren unbedeutend; besser gefiel ihm, durch viel-umfassende Lektüre (besonders der lateinischen Schriftsteller)seine allgemeine Bildung zu erweitern und in einzelnen Spott-gedichten und litterarischen Entwürfen (auch das „Märchen vonder Tonne" entstand in den Grundzügen zu'Dublin) seinen zu-gleich scharfen und bittern Witz zu üben. Es kann kaum einZweifel sein, daß in glücklichern Verhältnissen Swifts reichesTalent sich zum echten Humor entfaltet hätte; im Kampf mit