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Hmidertuildvierzehlites Kapitel.
kennen ist im Leben nicht eben selten, aber beinahe nie hat esdie Folge, daß ein zerrissenes Verhältnis wieder angeknüpftwird. Bei Temple und Swift war dies der Fall.
Der alternde Staatsmann machte dem jungen Pfarrer denVorschlag, die kaum bestiegene Kanzel wieder mit dem Platz inseinem Bibliothekzimmer zu vertauschen, und Swift, nun einerehrenvollen Behandlung sicher, ging freudig auf denselben ein.Er kam nach Moor Park zurück, wurde von Temple freundlichaufgenommen und scheint, freilich unter mannigfachen Rückfällenin die ehemalige Situation, fortan mehr der Vertraute als derbloße Sekretär seines Gönners gewesen zu sein. Sicher ist, daßer demselben nicht mehr mit bittern, sondern mit freundlichenund dankbaren Gefühlen gegenüberstand, und daß er, soweit seineNatur überhaupt des Enthusiasmus fähig war, sich für Templesstaatsmännische und vor allem litterarische Leistungen enthusias-miert zeigte. Temple ward aber damals in eine litterarischeFehde von wunderlichem Charakter verwickelt. 1692 war zuParis Charles Perraults „karsllsls ,Iss snsisos st <iss mocksriiss"erschienen, in welcher der Märchendichter sich zum Lobredner derneuern Schriftsteller gegenüber den antiken auswarf, währendihm die französischen Klassiker, an ihrer Spitze Boileau, derenRuhm aus ihrer (vermeintlichen) Ähnlichkeit mit den Alten be-ruhte, heftig entgegentraten. Durch halb Europa entbranntejetzt ein Streit litterarischer Faktionen, von dem vollkommenzutreffend geurteilt worden ist, daß beinahe keiner der Kämpferweder die alte noch die neue Litteratur gut genug kannte, umüberhaupt streiten zu dürfen. Auf alle Fälle fühlte sich SirWilliam berufen, für seine Lieblingsautoren und vorgefaßtenMeinungen in die Schranken zu treten, und schrieb eine Abhand-lung, in welcher er die Litteratur als im beständigen Rückschrittbegriffen darstellte und sich zur Behauptung verstieg, daß dieunübertrefflichen Muster der Alten weder erreicht seien, noch jewieder erreicht werden könnten. Zu den Mustern rechnete erauch jene „Briefe des Phalaris", deren Echtheit schon der Flo-rentiner Politian bezweifelt hatte, und deren Unechtheit eben jetztbeim Erscheinen von Temples Schrift durch Richard Bentleyschlagend erwiesen wurde. Im Verlauf des Streits, in demfast das ganze „gelehrte England" auf Temples Seite trat, umzuletzt dennoch von Bentlehs wahrer und gründlicher Gelehr-samkeit zu Boden gestreckt zu werden, schrieb auch Swift seine