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fort, ihr lieben Herren, Käthchen von Heilbronn, kaiser-liche Prinzessin von Schwaben wirb zu Bett gebracht.Gehen Sie voraus, Papa, und warten Sie draußen,ich will meinem Kameraden schnell noch etwas sagen."Sie hob sich zu Viktors Ohr und raunte ihm glücklichzu: „Du bist ein grundgescheiter Junge und ich habemeine Freude an dir."
„Gute Nacht!" sagte Viktor und wollte sie küssen,sie aber trat zurück und sprach ernsthaft: „Nein, Vik,das thue niemals." Doch gleich darauf schüttelte sieihm wieder die Hand: „Gute Nacht, du lieber Kerl!"
Seit diesem Abende kam es Viktor vor, als ob eineder Musen ihn aus dem Gewühl des Marktes in diereine Lust ihres Göttersitzes entrückt und seine Schläfemit ihrem uuverwelklichen Kranze geschmückt habe. Erstjetzt empsand er die hinreißende Schönheit der Kunst,sie beflügelte ihm die Gedanken und adelte sein Gefühl,und er schritt, die unsichtbaren Blüthen um das Hauptin stillem Glück bei anderen Menschen vorüber. Ueber-all erhob sich ungeduldige Forderung, und in derMenge arbeitete ein wildes Begehren, der Bau desStaates, der seit den Freiheitskriegen neu gezimmertwar, krachte in allen Fugen; Jedermann klagte undgrollte, daß es so nicht fortgehen könne, und der Zwistzwischen Regierung und Volk wurde mit jeder Wochebedrohlicher. Sonst hätte er mit Leidenschaft an demStreite Theil genommen, jetzt war er ihm fast gleichgül-tig. Was ihm so übermächtig Gedanken und Phantasiein Anspruch nahm, das war in der That die edle