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6 (1880) Aus einer kleinen Stadt / von Gustav Freytag
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war Henner. Viktor war seinem alten Gegner seitheröfter begegnet und hatte mit ihm zuweilen gleichgültigeReden ausgetauscht. Heut trat er zu ihm und bot ihmdie Hand, welche Henner ergriff und festhielt. So saßendie beiden neben einander, während draußen die Salvenkrachten und die Fenster von dem Donner schwerer Ge-schütze klirrten.

O du mein armes Preußen," rief Viktor.DieVormacht sollten wir sein für andere deutsche Stämme,und jetzt liegen wir am Boden in einem Siechthum,das uns Anderen verächtlich und den Feinden zur Beutemacht."

Was würde Ihr Vater dazu sagen?" frug Hennerruhiger.Er gehört zu den wenigen Alten, die überihrem Schlachtruf: Mit Gott, für König und Vater-land! das Verständniß für den Jammer der neuen Zeitnicht verloren haben."

Vielleicht wird er sagen," antwortete Viktor,daßdie Kanonen jetzt dem Sohne dieselbe Lehre zu Ohrendonnern, wie einst dem Vater. Die Stunde ist da,wo der Preuße die Sorge um sein eigenes Leben undseines Herzens Gelüst vergessen muß in der TodeSnothseines Vaterlandes."

Draußen töten sie einander und wir sitzen müßighier," sagte Henner.

Ich habe mein Gewehr an den Steinen zerschlagen,weil ein fremder Emissär mir es in die Hand drückte,"versetzte Viktor finster.

Ist aber dieser wilde Aufstand eine Bethoruug

Frcytag. Die Ahnen. VI. 25