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6 (1880) Aus einer kleinen Stadt / von Gustav Freytag
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unserer Arbeiter und überlegtes Werk fremder Anstifter,"sagte Henner,wie kommt es, daß wir Alle davon er-griffen sind und kaum der Versuchung widerstehen,Pflastersteine aufzureißen? Wer trägt die Schuld, daßein redliches und loyales Volk, welches durch so großeErinnerungen mit seinem Fürstenhause verbunden ist,einem solchen plötzlichen Ausbruch seines Grimmes ver-fällt?"

Vielleicht sind Regenten und Negierte beide erkrankt,jeder in seiner Weise, und uns Allen thut Genesungnoth," erwiederte Viktor.

Was aber vermag der Einzelne für solche Besse-rung zu thun?"

Zuerst sich selbst gesund zu machen," rief Viktor.Der Vater hat mir erzählt, wie ihm einst in derjammervollen Niederlage, als der Staat Friedrich desGroßen zerbrach, der Ruf in die Seele drang, daßauch er sich für das Vaterland hinzugeben habe. Erkonnte in seinem Beruf als Arzt dienen und mit seinemSäbel als Soldat. Ich bin nichts als Schriftstellerund habe die ersten frischen Jahre meiner Thätigkeitauf Dinge verwandt, die mir in diesem Augenblickso weichlich und ungesund erscheinen, daß ich michihrer schäme. Dies Lippenfechten über schöne Attitüdenund über die Geheimnisse einer ästhetischen Wirkung,und ob der Schauspieler das Bein so oder anders setzensoll. Pfui! unterdeß schlich der Haß, die Verzweif-lung, die Mordlust in die Seelen der Menschen, nebendenen ich täglich vorbeiging. Aus einer furchtbaren Be-