Band 
Erster Band.
JPEG-Download
 

271

Karl Leiden, ein junger Mensch, den das Schicksal desKrieges au<f seiner Vaterstadt getrieben, der nach derSchlacht bei Dresden die französische Armee verlassen, undsich nach Prag geflüchtet hatte, war durch sonderbare Zu-fälle im Monat August mir zugeführt worden, stieg inkurzer Zeit sehr hoch in meiner persönlichen Gunst, undwurde bald einer meiner vertrautesten Diener. Einer derbesten französischen Köche (Bastien) begleitete mich überall.Meine häusliche Existenz war ganz nach meinen Wünschen,mit aller Bequemlichkeit und Eleganz, die ein unverheira-theter vornehmer Mann begehren konnte, eingerichtet.

Nach einer langen, zuweilen ängstlichen Pause, wo dieBriese aus dem Haupt-Quartier immer seltner wurden,bestimmten endlich Estafetten aus Frankfurt vom 19. und30. November meine Abreise von Prag, und zwar so, daßich zunächst mich in's Haupt-Quartier begeben, und vondort nach Wien zurückkehren sollte. Dieser Plan gefiel mirnicht ganz; Privat-Gründe, die mir vollkommen bekanntwaren, und sich weniger auf mein Interesse als auf einmir fremdes, obwohl nicht gleichgültiges bezogen, hattenihn erzeugt. Ich war einen Augenblick unschlüssig, ob ichgehorchen oder nicht lieber gleich den Weg nach Wien neh-men sollte. Ich entschloß mich aber jenes zu thun.

Am 4. December verließ ich Prag, wo ich vier derschönsten Monate meines Lebens zugebracht hatte, undviele Freunde zurückließ. Ich ging über Waldmünchenund Amberg nach Nürnberg, wo ich mich zwei Tageaufhielt und Briefe aus Frankfurt empfing, die mich an-wiesen auf Heilbronn zu reisen. Wie gut es danials mitmeiner Gesundheit und meinen Kräften gestanden habenmuß, lehrt der Umstand, daß ich den hohen Berg, überwelchen die Straße bei Schwäbisch-Hall führt, zu Fuße