Lor I. Unternehmungen d. vergang. Jahrhunderts
den Enthusiasten zuzählt, wie viel treffliche, gelehrte,fromme Enthusiasten gab es in dieser ehrwürdigenReligivnspacthei, an der es nicht lag, daß nichtvon ihr die Reformation über Deutschland und Eu-ropa ausging.
Langst ists gesagt, daß kein großes, überschweng-lich-Gutes ohne Enthusiasmus bewirkt werde; sowie auch kein Gräuel sich denken laßt, dessen dieSchwärmerei nicht fähig wäre. Eben das Endeunsers verlebten Jahrhunderts bats über alle Gedan-ken furchtbar erwiesen. Nachdem man oft gesagt undwiederholt hatte, daß bei zugenommener, all-gemein.-verbreiteter Aufklärung eine dem Cha-rakter nach milde, ja leichtsinnig-genannte Nationkeiner Schwärmerei, keines Aberglaubensun4 Enthusiasmus fähig sey, brach dieselbe ineine Wuth aus, die so viel Köpfe und Länder Eu-ropas verheert hat. Nie hatte man den Zunder zumEnthusiasmus oder gar zur Schwärmerei in dermenschlichen Natur ausgetilgt oder austilgbar. Stahlund Stein erwecken den ruhig-schlafenden, verborg-nen Funken; ein unvorhergesehener Windstoß führtihn als Flamme umher. Druck und Verfolgung,-dies zeigen alle Zeiten und Völker) regen ihn auf;sie wecken den Enthusiasmus. Es giebt Zeiten desSchlafs, Zeiten des Aufwachens der Nationen; beidewechseln mit einander, wie Tag und Nacht; beidesind aufhaltbar, doch am Ende kaum hinlcrtreiblich.
Damit also der Enthusiasmus nicht aufs Unnützeund Eitle gerichtet werde oder gar zu einer bösenSchwärmerei ausarte, was ist zu thun? Zuerst,daß man ihn nicht durch falsche Vorspiegelungen