232 I. Unternehmungen d, vetgang. Jahrhunderts
in ihm öffentlich und beglaubigt Urtheil sprechen dür-fen, bekennet er entweder seine Barbarei, der wederEhre noch Wissenschaft am Herzen liegen, oder daß«r keine verständigeren Richter habe. Ihm ist gleich-gültig , was auf den Kasekcam der Lumpen gedrucktwerde." Ganz anders ein Staat, der Ehre liebet.Sein ist die Kritik; er spricht sie durch Mund undFeder seiner Würdigsten aus; diese stehen fürihre Worte. Fürchte man nicht, daß hieducch eineLähmung im Urtheil entstehen, daß Einseitigkeit undDespotismus sich wilde gebahrden werden. In Deutsch-land sind mehrere Staaten; jeder darf sein lite-rarisches Tribunal haben, da dann Einesdem Andern bald die Stange halten wird, und dasfeinere Urtheil doch zuletzt sieget.
Nicht aber auf Mißbrauch muß man zuerst rech-nen, wenn man einen Plan entwirft, richtiger Ge-brauch ist sein Zweck, bei welchem man Jenem vor-beuget. Sind die Verständigsten des Landes die ge-bohrnen Richter des Wahren, Guten undSchönen: so entspringt hieraus natürlich eine Aka-demie oder Societät der Wissenschaf-ten, die urtheilt. Drangen sich Unwürdige zuihr, so fallt der Schimpf abermal auf den Staat,der solche Kssllos für seine Verständigsten erkannte;bald aber muß sich auch bei Mißgriffen eine Gesell-schaft der Würdigsten klar hervorthun, die sich durchsich selbst bewähret. Diese, eine wahre Akade-mie cleUa Errisua käme nicht zusammen, um ein-ander mit Vorlesungen zu belangwnlen; als Eon-sultatorindes Staats richtete sie über lite-rarische Verdienste in geschlossener Gesellschaft. Ihr