Band 
[Adrastea I & II.]
Seite
270
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270 II. Briefe zu Beförderung

oder ermüdet. Ueberhaupt ist das, was der Lehrerder Menschen vom Innern der Moralität sprach,auch in Absicht auf die Darstellung derselben wahr:„was fürs Auge des Allsehenden allein gehöret undvor ihm gethan ward, will nicht vor dem Auge derMenschen prangen, gesetzt, daß es auch der wahrest«Freund des Verstorbnen vorzeigte." Anders ists mitbestimmten Thatsachen; die sprechen durch sich selbst,sie ermähnen, lehren, trösten.

4. Eingänge zu Lebensbeschreibungen durch einenAllgemeinsatz sind höchst mißlich. Welcher Allge-meinsatz erschöpft ein menschliches Leben? welcherverführt nicht öfter, als er zurechtweiset? In denlateinischen inemoriis sind solche Gemeinplätze her-gebracht; hier, wünscht man, wachse die Bemerkungan ihrer natürlichen Stelle im Fortgange der Erzäh-lung hervor, oder sie versiegle zuletzt den Eindruckdes Ganzen. Ueber manches dieser Leben hätte vielStarkes können gesagt werden, bald mit einem streu-gen Blick, bald mit einem herzdurchdringendcnSeufzer.

5 . Denn freilich, m. Fr., ists wahr: Deutsch-land weinet um manche seiner Kinder;es ruft: sie sind nicht mehr, sie gingen ge-krankt, Beistand- und Trostlos unter. Hier alsoauf dem Grabe des Verstorbnen, als auf einer hei-ligen Freistäte, müssen Wahrheit und Menschlichkeit,diese sanft und rührend, jene unpartheiisch undstrenge ihre Stimmen erheben, und sprechen: „dieserMann ward unterdrückt, jener gemißbraucht, dieserverlockt und gestohlen. Ohne Recht und Urtheilschmachtete er viele Jahre im Felsenkcrker; das Auge