ZgS II. Briefe zu Beförderung
gallichke Leidenschaft der Rache ziemt nicht für Menschen,die so kurz existireN. Wir müssen wechselseitig ein-ander unsre Thorheiten vergessen, und uns auf denGenuß des Glücks einschränken, das unsre Naturuns gönnet.
„Wenn TureNNe und Louvois die Pfalz in dieAsche legten, wenn der Marfchall von Belle-Jslsim letzten Kriege den Vorschlag that, ganz Hessenzu verwüsten: fö sind solche Ausschweifungen ein ewi-ger Vorwurf der französischen Nation, die, so artigsie ist, sich zuweilen Grausamkeiten erlaubt hat, dienur für die ärgsten Barbaren gehörten. Ludwig XV.indessen verwarf den Vorschlag des Marschall Belle-Jsle, und zeigte sich hierin größer, als sein Vorfahr.
„Beim Leben der Könige ist schwerer über siezu Urtheil.», als nach ihrem Tode; ein einziger Um-stand verändert oft die Sache so, daß man billigenmuß, was man vorher verdammte. Ludwig XIV.ward bei seinen Lebzeiten getadelt, daß er den Suc-ceßivnskrieq unternahm; jetzt laßt man ihm Gerech-tigkeit widerfahren, und jeder Unpartheiische gestehetein, daß er niedrig gehandelt hatte, wenn er dasTestament des Königes von Spanien nicht hätte an-nehmen wollen. Jeder Mensch Macht Fehler, alsoauch die Fürsten; der wahre Weise der Stoiker undder vollkommene Fürst haben nicht existitt und wer-den nicht cxlstiren. Fürsten wie Karl der kübne,Ludwig XI., Alexander VI,, Ludwig Sforzia sind
die