Band 
Adrastea III. Schluss der Briefe zu Beförderung der Humanität.
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der Humanität. 46

düng unvermerkt auf andre Gedanken. Die Zeitallein kann ihn heilen. Man hat mehrere Beispiele,daß mitleidige Krankenwärter von der Krankheit selbstangesteckt wurden; nichts aber theilet sich leichtermit, als Krankheiten der Seele. Wer gesund ist,suche gesund zu bleiben; alle Ansteckungen werdennur dadurch eingeschränkt, daß man sie isoliret.

Viertens. Freie Untersuchung der Wahr-heit von allen Seiten ist daS einzige Gegenmittel ge-gen Wahn und Irrthum, von welcher Art sie seynmögen. Lasset den Wähnenden seinen Wahn, denanders Meynenden seine Meynung vertheidigen; dasist, ihre Sache. Würden beide auch nicht gebes-sert, so entspringt für den Unbefangenen aus jedembesirittenen Irrthum gewiß ein neuer Grund, eineneue Ansicht der Wahrheit. Daß man doch ja nichtglaube, Wahrheit könne je durch bewaffneten Wahngefangen, oder gar ewig im Gefängniß festgehaltenwerden! Sie ist ein Geist und theilt sich Geisternmit, fast ohne Körper. Oft darf ihr Ton an Ei-nem Weitende geregt werden, und er erklingt inentlegenen Landern; immer aber läutert sich derStrom des menschlichen Erkenntnisses durch Gegen-sätze, durch starke Eontraste. Hier reißt er ab, dortsetzt er an; und zuletzt gilt ein lange und vielge-läuterter Wahn den Menschen für Wahrheit.

3r.

Semca sandte seinem Freunde Lucil fast in je-dem seiner Briefe einen Denkspruch zum Geschenk;