35r> Briefe zu Beförderung
Krieg zugleich führt, verläßt sich meistens auf dieWirkung seiner geheimen Mittel so sehr, daß auchlHe offnen ihm mißrathen. Aufwiegelung und Ver-rath lohnten selten ihre Urheber anders- als mit Ver-lust und Schande. Wer Grundsätze wegdrängt, aufdenen einzig noch der Rest von Ehre und gutemNamen der Völker im Kriege beruhet, vergiftet dieQuellen der Geschichte und des Rechts der-Volkerbis auf den letzten Tropfen. —
Eine traurige Uebersicht gäbe es, wenn manjede geschriebene Geschichte der Völker in ihren Krie-gen und Eroberungen, in ihren Unterhandlungen,in ihren Handelsentwürfen nach den Grund-sätzen durchginge, in welchen gehandelt und geschrie-ben wurde. Wie ehrlicher waren unsre Vater, diealten Barbaren, die bei ihren Zweikampfen nichtnur auf Gleichheit der Waffen sahen, sondern Platz,Licht und Sonne unpartheyisch theilten. Wie ehr-licher sind die Wilden in ihren Unterhandlungen undFriedensschlüssen, in ihrem Tausch und Handel!Gewalt und Willkühr mögen gebieten, worüber sieMacht haben, nur nicht über Grundsätze desRechts und Unrechts in der Menschen-geschichte *).
*) Bon der Denkart der Römer hierüber in ihrenbesten Zeiten lese man den Lipsius (cloarrinnxalitica mit ihrem Cemmentar) den Grotius(<ls jure belli et xaoio), oder auch den gurenMontogne (B. l. K. s. 6.) Sie ist für unsreZeiten sehr beschämend.