Buch 
Heinrich der Vierte, König von Navarra und Frankreich : eine Biographie, mit Hinsicht auf unsere Zeit aus Geschichtsquellen bearbeitet : Karln von Dalberg als Opfer der dankbarsten Liebe und reinsten Verehrung geweiht
Entstehung
Seite
129
JPEG-Download
 

129

Schon die Regentschaft der Königin Mutter, unddie Regierung eines Königs, der von allen schönenErwartungen auch nicht Eine zu erfüllen Kraft ge-nug hatte, eröffneten für Frankreich neue Scenen desElends.

Sie, die Königin Mutter, deren Intrigue überalles gesiegt hatte, was ihrer Ehrsucht entgegen stand,die das Ehrwürdigste in der Natur, kindliche Liebe, diedas Heiligste in ihrem Geschlechte, die errathende Scham,ihrer darbenden Herrschsucht aufgeopfert harte; dieseKönigin mußte jetzt bis zur Rückkunft des Königs alleindie öffentliche Regierung eines so verwirkten Staatsübernehmen, den sie vorher mit unsichtbarer Hand ge-lenkt hatte. Alle Herzen waren wider sie empört. Siekannte den Unwillen der ediern Partey, die sich nach ei-ner Ruhe sehnte, die ihr Despotismus auf lange Zeitengetrübt hakte. Ihr blieben selbst die geheimen Triebfe-dern derjenigen, die ihr einen unbedingten Gehorsam ge-schworen hatten, nicht unverborgen. Sie wußte, wiedie Unterwürfigkeit der Guisen selbst nur auf eine Zeitgewonnen war, und wie gierig auch diese Nach demZepter trachteten, den sie führte. Sie sah ein, daßein kleines Ungefähr ihren Sturz nur zeigen dürfte, umihn in der Bereitwilligkeit ihrer Diener zu vollenden. AlsRegentin des Reichs konnte sie der Gewalt nur List, unddem Trotze nur Verschlagenheit entgegen setzen. Daherstanden ihrem umfassenden Kopfe alle Arten von Ver-wirrungen zu Gebote; und mit eben der Leichtigkeit, wo-mit sie erregt, und womit sie unterhalten waren, konntesie ihnen Stillstand gebieten. Zwietracht und EifersuchtHeine. d. Vierte, i. Th. I WN-