—. r6?
so entfernte sie diesen, wenn sie ihn anzog; und dennochkonnte sie ihrem Entwürfe keine Konsistenz geben.
Noch versuchte sie durch eine Reise in die verwirrte-sten Provinzen, unter dem Vorwande des Friedens, ihreeigene Partey zu vergrößern. Man hätte glauben sol«len, daß gerade die Provinzen, die das Unglück desKriegs am tiefsten empfunden hatten, die das drückendeJoch der Anarchie am härtesten fühlten, sie als Schutz-göttin, als Retterin würden aufgenommen haben; aberzu tief gewurzelt war das Uebel, und der Unterthan sosehr an das mit seiner Religionsfreyheit verbundeneElend gewöhnt, daß er nicht sowohl mit diesem seinenediern Gefühlen ein williges Opfer, brachte, sondern daßer für ein besseres Schicksal unempfänglich, zu gleicherZeit die Idee für die Aussichten seiner Zukunft verlor,und an die Gegenwart gefesselt, sich glücklich glaubte,wenn er das Unerträgliche seiner Lage auf einige Augen-blicke von sich geschoben hatte. Die Statthalter derProvinzen, vorzüglich von Guyenne, Languedok, Dau-phins, und den angrenzenden Staaten von dem nehmli-chen Geiste beseelt, mußten eben solche Befehlshaber bil-den; wechselseitiges Bedürfniß und wechselseitiges Leidender königlich Gesinnten und der Reformirten, hatte dasUebertreten von einer Partey zur andern, ohne Gewinnfür eine von beyden, nicht nur möglich, sondern sogarleicht gemacht, und so drohte und täuschte einer mitdem Joche des andern.
Bey dieser gänzlichen Zerrüttung, wo kein festerFuß zu fassen war, blieb der Königin nichts, als dieZuflucht zu augenblicklich wirksamen Mitteln übrig, und
waS