Buch 
Heinrich der Vierte, König von Navarra und Frankreich : eine Biographie, mit Hinsicht auf unsere Zeit aus Geschichtsquellen bearbeitet : Karln von Dalberg als Opfer der dankbarsten Liebe und reinsten Verehrung geweiht
Entstehung
Seite
380
JPEG-Download
 

380

war, den sie als ihr größtes Idol verehrt hatte. SeineTante, die Herzogin von Montpensier, erlaubte sichAeußerungen, die nur aus ihrem Ungestüm für die Ligue,aus dem Gefühl der Rache, wegen ihres gemordetenunvergeßlichen Bruders, und aus der Einkerkerung ih-rer wilden weiblichen Empfindungen, welche die blühendeJugend ihres Neffen aufregte, erklärbar sind. DieSpanier überhäuften ihn mit allen möglichen Gunstbe-zeigungen, um die Kälte desto tiefer fühlen zu lassen,womit sie an Mayenne vorüber gingen. Noch verbißMayennc seinen Kummer; seine gekränkte Ehrliebe konnteseine Tugend nicht besiegen, und er keinen als Feindhassen, der ihn noch nicht persönlich beleidiget hatte, undden er eher als Freund und Bundesverwandten umar-men sollte. — Er schickte ihm Geld, und bat ihn, baldzu ihm zu kommen, allein mit einer gewissen Ahnunggestand er doch: „der Herzog von Guise hat mir mit„seiner Person keine Hülfe, sondern einen neuen Gegcn-„ stand meiner Unruhe und meiner trüben Stunden zum„Geschenk gemacht."

Still und geräuschlos sah der König von Navarradem Getümmel aller dieser Parteyen zu, ohne sich inseinen Ideen erschüttern, und in dem Fortgang feinerThaten aufhalten zu lassen, mit beständiger Rücksicht,die Uebermacht seiner Feinde durch ihre Folge — denUebermuth — zu besiegen. Philipp selbst mußte ihmdazu die Hand bieten, er, der so viele tausend Men-schen einer Religion, aus Mordsucht, aus Ehrgeitz ge-schlachtet, ganze Provinzen entvölkert, und Elend,Jammer und Verwüstung über ganze Generationen

und