Band 
Erster Band.
Seite
60
JPEG-Download
 

So Einleitung.

Drittes Kapitel.

Ludwigs des Frommen und seiner Nachfolgerschwache Regierungen. Isidor Mcrkaror.pabst Nikolaus I.

^arls des Grossen Nachfolger, sein Sohn Ludwigder Fromme, hatte Eigenschaften, die ihn geschicktermachten , irgend einem Mönchskloster vorzustehen, alsdie ungeheure Maschine des fränkischen Staats zuregieren Es fehlte ihm an allem, was ihn zu einengrossen Regenten hätte machen können, und vornehm-lich an den nöthigsten Geisteskräften. Man versäum-te bey seiner Erziehung zwar nichts, um ihn zum glück-lichsten Privatmann zu bilden. Er verstuhnö Spra-chen, und liebte die Lektüre. Allein sein Kopf warblöde; seine ausserordcntliche Herzensgute Beweis vonSchwache, und seine Gerechtigkeitsliebe die Wirkungvon beyden. Nichts konnte auffallender, als die Un-ahnlichkeit zwischen Vater und Sohn seyn. Bari hat-te sich selbst gebildet, und Ludwig war die Puppevon andern. Ersterer wußte alle Verhältnisse und alleUmstände zu seinem Ruhm, und zum Wohl seines Volkszu benutzen; und letzterer handelte nie anders, als zuseiner Schande, und zum Unglücke der von ihm be-herrschten Nazionen.

Vielleicht mag es wohl auch mit unter die Schuldseines eigenen Vaters gewesen seyn, daß er zur Zeit,als er zur Regierung gelangte, mit allen Geschäftendes Reichs im höchsten Grade unbekannt war. Erlebte bisher, als König von Aquiramen, gleichsammönchisch, und war über alles, was in den Staa-ten seines Vaters vorgieng, höchst unwissend. Wäreer seinem grossen Vater stets näher gewesen, hätte erdie Gefahren in Schlachten, und die geschäftige Sor-ge in Friedenszeiten mit ihm getheilt, so würde er