Band 
Erster Band.
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61
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Zweytes Buch. 61

nicht Feit gefunden haben, in dem Umgänge mit Mön-chen ein schläfriger Frömmler zu werden. Er würdevielleicht doch wenigstens zum Theil mit den Bedürfnissendes Volks, und mit der Brauchbarkeit derjenigen, wel-che an der Regierung den nächsten Antheil nahmen,bekannt geworden seyn.

Vielleicht wenige Regenten haben es so herzlich gutmir ihren Unterthanen gemeint, als er, und es kamennicht leicht unter irgend eines andern Regierung eineso ungeheure Menge Verordnungen zum Beßten desVolks zum Vorschein, als unter der seinigen. Alleinauch nie waren die Unterthanen unglücklicher, und niewurden auch die Verordnungen weniger, als unter ihm,befolget, weil er bey aller seiner Gerechtigkeitsliebe dochimmer zu schwach war, seinen RegentenhandlungenAnsehn und Nachdruck zu geben. Daß er, als theilsLandplagen, und theils andere Bedrückungen die miß-vergnügten Franken zur Empörung reif machten, in ei-nem öffentlichen Edickte sich für den größten Sünderseines Reichs erklärte, der nun, von Reue ergriffen,aus Gottes Barmherzigkeit das wiedergutmachen wolle,was er durch Trägheit und Unwissenheit verdorben hatte,war wohl ein redender Beweis von der Ohnmacht, durchRegentcntugenden sich Liebe, und seinem Volke Wohl-stand zu verschaffen.

Indessen war er, wie es nicht wohl anders seyn konn-te, bey weitem unglücklicher, als der geringste seinerUnterthanen. Er hatte das Reich unter seine Söhnegetheilt, welche eifersüchtig unter sich selbst , und miß-vergnügt über den Antheil, den jeder für sich allzuun-beträchtlich fand, mit Hintansetzung aller Kinderpflich-ten den Vater nicht nur verspotteten, sondern ihn auchMit Armeen vom Throne stossen wollten.

Während dieses unnatürlichen Familienkriegs zeigtees sich endlich durch offenbare Thatsachen, wie weitsich die Geistlichkeit von allem entfernt hatte, was i»