Band 
Erster Band.
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62 Einleitung.

den Zeiten der Apostel unter Christenthum verstandenwurde. Weit entfernt, die rebellischen Söhne desKaisers an ihre Kinderpflicht zu erinnern, machten diefränkischen Bischöfe vielmehr gemeinschaftliche Sachegegen den von allen Seiten bedrängten Vater, undwarfen sich kühn zu Schiedsrichtern in weltlichen Han-deln auf. Man wird unschlüssig, ob man die laster-haften Söhne, oder die verwegenen Bischöfe mehr ver-abscheuen soll, wenn man die Geschichte der niederträch-tigen Behandlung liest, mit welcher letztere dem Kai-ser begegneten. Sie bewogen ihn, in der Klosterkir-che zu Soifsons öffentliche Busse zu thun, und auf eitlenSack hingeworfen das Verzeichniß seiner Sünden, wel-ches die Bischöfe verfertigten, vor dem versammelten Vol-ke abzulesen. Sie beraubten ihn seiner Waffenrüstung;nöthigten ihn, einen Armensündersrock anzuziehen, leg-ten ihm die Hände auf, und sangen Bußpsalmen. Daßbe» einer so abscheulichen Farce der römische Bischofkeinen bloß müssigen Zuschauer abgegeben wollte, warleicht zu erwarten. Er eilte, ehe noch dieses vorgieng,nach Frankreich, und drohte, alle Bischöfe, die esmit dem Kaiser halten würden, in den Kirchenbannzu werfen. Zwar wollten die fränkischen Prälaten anderEhre, einen von Gram tief gebeugten Monarchen miß-handelt zu haben, für sich allein Antheil nehmen; al-lein sie liessen es doch geschehen, daß Gregor lv.die kaiserlichen Truppen zum Ausreisten bewog, unddas Volk insgeheim gegen den Kaiser aufwiegelte.

Unstreitig hatte sich Ludwig durch seine eigene Schuldso grobe Mißhandlungen von Seite seiner Geistlichkeitzugezogen. Man kann ihm zwar den Vorwurf nichtmachen, als hätte er es an vortreflichen Verordnun-gen zur Verbesserung der Kirchenzucht ermangeln lassen.Allein er war ohnmächtig, sich Gehorsam zu verschaf-fen, besonders nachdem er den unverzeihlichsten Fehlerbegieng, den Klerus in den Rang des ansehnlichsten