Band 
Erster Band.
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Zweytes Blich

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Mischen Bischof als ein Wesen dar, in dessen Personsich alle Gewalt vereinigte, der den Oberherrn der gan«zen Kirche vorstellen, und von dessen Ausspruche alleEndurtheile in kirchlichen Angelegenheiten abhängensollten. Durch dieses neue, mit dem Apostelamte imoffenbaren Widerspruch stehende System wurde der bis-herige Aristokratismus der kirchlichen Hierarchie über denHaufen geworfen, und ein ganz neues Verhältniß zwi-schen Kirche und Staat eingeführt

Es gehörte allerdings eine herzhafte Verwegenheitdazu, in einer solchen Sache den Betrüger zu machen.Denn ausserdem, daß die unterschobenen und erdichte-ten Briete ein ganz anders Gepräge, als die Einfaltder Apostelzeiten hatten, waren sie selbst in einem Sty-le abgefaßt, der ienem Zeitalter durchaus ganz fremdwar. Aber bey weitem mehr Schamlosigkeit hattendie römischen Bischöffe nöthig , sich eines so handgreif-lichen Betrugs zur Vertheidigung eines schlimmenHandels zu bedienen. Unglücklicher Weife saß zur Zeit,als diese falschen Dekrctalen zum Vorschein kamen, ge-rade ein Man« auf dem römischen Stuhle, der sichberufen fühlte , von demjenigen, was der Betrügerin der Theorie ausheckte, einen pracktischen Gebrauchzu machen. Dieser Held, der ohngeachtet seines un-heiligen Lebens ein Heiliger der römischen Kirche wur-de , war islikolaus k.

Von der Natur mit vorzüglichen Verstandeskraftmversehen war er ungemein herrschsüchtig, und sah dieWurde, die er als Pabst bekleidete, für einen Berufan, alles, was ihm in den Weg kam, unter die Füs-se zu tretten. Er schien nur geboren, um zu befehlen,und nur auf Peters Stuhl zu sitzen, um sich Gehor-sam zu verschaffen. Seine römische Diöcese war ihmein viel zu eingeschränkter Raum, um seine unbegrän;-te Herrschsucht zu befriedigen. Er wollte, so weit dasChristenthum reichte, gefürchtet seyn, und schonte da-

( Gcsch. d. röm. Breche. I. Bd.) E