72 Einleitung.
Vorzügen erhoben. Vorhin waren sie als Bischöfenoch stets den Grafen und Herzogen unterworfen; abervon dieser Zeit an wurden sie selbst mehr, als Grafenund Herzoge; und da die Kaiser noch immer das Wahl-recht an den Stiften ausübten, so konnten sie vonder einen Seite auf die Ergebenheit ihrer Kreaturenvertrauen, und von der andern schickliche Gelegenheitfinden, die Prinzen und Dasiarten ihres Haukes stan-desmaßig zu versorgen. Der gleichen Politik zufolgevergrößerten eb n diese Kaiser die weltliche Macht derrömischen Pabste. Sie wollten sich ihrer zur Bezäh-mung der unruhigen Grossen in prallen bedienen , undberedeten sich, daß Männer, die ihr Ansehn der kaiser-lichen Gnade zu verdanken hatten, eben darum auchTreue und Ergebenheit für ihre Wohlthäter beweisenwürden.
Aber sie betrogen sich in ihren Erwartungen, und eswar leicht vorauszusehen, daß die römischen Pabste inder allzvgrvssen weltlichen Macht, die ihnen von denKaisern als Schutzwehre gegen die übermüthigen Ita-liener eingeräumt wurde, Mittel finden würden, sichnach und nach von der kaiserlichen Gewalt unabhän-giger zu machen, und die Kaiser endlich ganz ihresEinflusses bey pabstlichen Wahlen zu berauben.
Indessen war während des zehnten Jahrhundertsvon den Paschen nichts Grosses zu erwarten. Die mei-sten aus ihnen machten sich nur bloß durch ihre ab-scheulichen Laster einen Namen. Se-wstus ill. welchervom Jahr Y07. bis yio. die Kirche regierte, war selbstnach dem Zeugniß des Kardinals Baronius der la-sterhafteste Mensch, der se von der Sonne beschienenwurde. Er lebte mit der Marozia, einer öffentlichenHure zu Rom, und erzeugte einen Sohn mit ihr, derebenfalls unter dem Namen Johann XI. den pabstlichenStuhl bestieg, und ein eben so lasterhaftes Leben, alsfein Vater, führte. Johann X. schändete vom Jahr