Zweytes Buch. y§
der morgenlandischen Kirche nicht herstellen. Die Mön-che und der Pöbel giengen in ihrer unsinnigen Abgöt-terei) gegen die Bilder so weit, daß die folgenden Kai-ser genöthigek waren, einem so weikgreifenden Unfugezu steuern. Sie versuchten es, theils durch Strengeund theils durch Gelindigkeit den Mißbrauch des Bil-derdienstes zu vertilgen. Vornämlich mußte sie dieEntdeckung der verschiedenen Betrügereien, womit dieMönche das Volk verführten, zu strengen Maaßregelnverleiten. So wurde z. B. gefunden, daß man durchdie Brüste eines Marienbildes vermittelst kleiner Röhr-chen Milch fliesten ließ. Diese Entdeckung entrüsteteden Kaiser Theophikus dergestalt, daß er nicht nurden Bilderdienst durchaus verbot, sondern auch alleGemählde und Statuen aus den Tempeln hinauswer-fen , und eine Menge Menschen hinrichten ließ, welchefeinen Verordnungen nicht gehorchten.
Endlich gewannen die Bilderfreunde unter der Re-gierung der Kaiserinn Theodors, welche die Mönchenfürchtete, wieder den Sieg, den sie aber wahrscheinlichbis in das achtzehnte Jahrhundert nicht würden behaup-tet haben, wenn Rar! der Grosse Nachfolger gehabthatte, die seiner würdig gewesen waren. Denn so-wohl dieser grosse Monarch, als die meisten Bischöfein der abendländischen Kirche waren weit entfernt,den Bilderdienst zu billigen. Vielmehr wurde derselbeauf einer Kirchcnversammlung, welche Rarl nach Frank-furts am LNapn berufen hatte, wiewohl mit einigenmäßigen Einschränkungen, verboten, und die Beschlüsseder lJicaifchen Synode, ungeachtet aller Einwendun-gen von Seite des römischen Hofes, entkräftet. Alleiudas Licht, welches Bar! seinem Zeitalter aufzusteckenim Begriffe war, wurde allzufrüh« wieder unter seinenNachfolgern erstickt. Gleich einem undurchdringlichenNebel verschenken grobe sinnliche Vorstellungsarten alleheitern Begriffe; und wenn auch zur Seltenheit ein