Band 
Erster Band.
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Zweytes Buch. r->5

trefliche Einrichtung gegeben. Wäre man auf dieserBahn mit beständiger Rücksicht auf die Bedürfnisse desZeitalters und der Völker fortgeschritten , so hatte mantausend Fehltritte vermieden, und nie wäre in derchristlichen Kirche ein so allgemeines Gittenverderbeneingerissen. Mein man hat zu frühe den Geist des Re-ligionsstifters mißverstanden. Zu frühe drängten sichin die hohem Kirchenämter leidenschaftliche, unwissenrde und lasterhafte Menschen ein; und zu frühe fiengman an, sich der Religion zur Ausführung sträflicherAbsichten und zur Befriedigung unbändiger Leidenschaftten zu bedienen.

Man hatte zu Ende des siebenten Jahrhunderts so-genannte Bußbächer in der Kirche eingeführt, worinndie verschiedenen Arten von Vergebungen nebst denfür jede derselben bestimmten Bußübungen verzeichnetwaren. Verwerflich war eine solche Anstalt zwar ebenso wenig, als jeder andere Strafcedex in bürgerlichenund peinlichen Justitzsachen. Allein ein besonderer Um-stand verhinderte einerseits das Gute, was sich davonerwarten ließ, und beförderte anderseits eben das, wasman zu verhüten die Absicht hatte. Man bestimmtenämlich für die geringsten Vergebungen gewisse Artenvon Bußübungen , die entweder in langwierigem Fa-sten, oder Beten, oder andern, ähnlichen Werken derAbtödtung besiuhnden. Da aber nicht jedermann ge-sund oder geschäftlos genug seyn konnte, um sich sol-chen Strafen zu unterziehen, so erlaubte man den Sün-dern, sich durch Almosen, vornamlich an die Kirchen,loszukaufen. Die Gewohnheit, sich durch Geschenkemit den Beichtvatern abzufinden, wurde bald die all-gemeinste , nachdem die Geistlichkeit ein besonderes In-teresse für sich hatte, die Büsser zu bereden, daß Schen-ken weit verdienstlicher als Beten sey. In diesem un-seligen Wahne wurde das gemeine Volk auch selbst durchdas Beyspiel der Grossen bestärkt, welche ihre Freyge-