io6 Einleitung.
bigkeit an die Kirchen bis zur Verschwendung trieben,und ,'n der Versicherung der Geistlichen, daß ihnendadurch ihre Sunden erlassen seyen, bald ihren Stolzund bald ibr Gewissen befriedigten Diesen Begriffenzufolge hatten fast die meisten Mönchsklöster in denfolgenden Jahrhunderten ihr Daseyn den Sünden undden Tüssungen mächtiger und reicher Herren zu ver-danken.
Eben so schädlich , als die Taxierung der Sünden,war auch die Lehre vom Fegfeuer, welche zwar schonim sechsten Jahrhunderte durch Gregor den Grossenin das Dogma der geistlichen Kirche eingeschoben wur/de, aber erst später, und vornämlich zur Zeit, alsmit dem Pönitenzwesen ein schändlicher Gewerb getrie-ben wurde, eine diesem Gewerbe vortbeilhafte Bedeu-tung erhielt. Man beredete die Menschen, daß, soviel sie auch immer aufdiesem Erdeleben abbüßten, dochimmer ein Theil der Schuld noch zurückblicke, der erstnach dem Tode in einer Art Mittelort zwischen Him-mel und Hölle, welches Fegfeuer genannt wurde, ab-getragen werden müßte. Um nicht nur die öffentlichenSünder, sondern auch die Gerechten schüchtern undfurchtsam zu machen, schilderte man die Qualen diesesMittelortes beylau tig mit der nämlichen Stärke, mitwelcher man die Qualen der Hölle schilderte. Manmachte das Feuer des einen so heiß, als der andern;und der Unterschied bestuhnd nur einzig darin», daßdie zur Hölle Verdammten ohne Rettung verloren, dieSeelen des Fegfeuers aber nach einer gewissen Zeit indie Freuden der Seligen aufgenommen würden. DerTaktik der Geistlichen, welche die Lehre vom Fegfeuerauf alle erdenkliche Weise durch Nebenideen erweitertenund versinnlichten, entgieng es nicht, hieraus eine rei-che Quelle von Einkommen zu machen. Sie erfandensehr sinnreich die verschiedenen Grade von Strafen,die ein zum Fegfeuer Verdammter nach einer unbestimm-