Drittes Buch. ng
man seinen schwülstigen Lobrednern glauben will, lau-ter Wunder der Tapferkeit. Mit zehn andern Ritternsoll er sich gegen 7000. Sarazenen erwehret, und Men-schen und Pferde-Köpfe, Lenden und Beine entzweygeschlagen haben. Aller dieser glänzenden Handlungenungeachtet kam er mit einem armseligen Gefolge nachEuropa zurück, und hatte von allen seinen Heldentha-ten weiter nichts als Schmach und Schande für sich,Bestürzung und Jammer für die verwaisten Familieneingeerndtet.
Richard hatte bey seinem Abzüge aus Palästina ei-nen dreyjährigen Waffenstillstand mit dem Sultan Ga-ladin geschlossen. Allein die, welche für die Ehre desKreuzes fochten , setzten sich über die Heiligkeit jederVertrage hinweg. Pabst Eölestm lll. ließ noch imnämlichen Jahr eine Kreuzbulle verkünden. Die Kö-nige von Frankreich und England hatten keine Lustmehr, sich von den Sarazenen schlagen zu lassen.Selbst die Deutschen fiengen bereits an, dieser kost-spieligen Abentheuer müde zu werden. Allein wer woll-te es wagen, in diesem Zeitraum einem Pabste nichtzu gehorchen ? Vornamlich glaubten sich die deutschenKaiser nicht anders als durch Gehorsam wider die be-ständigen Plakercien der Päbste erwehren zu können.Heinrich VI. ließ also im Jahre 1194. drey Armeenaufbrechen, welche mit ziemlichem Glücke das heiligeLand erreichten. Die Sarazenen, welche, gewissenhaf-ter als die Christen, Vertrage hielten, wurden unbe-wafnet und wehrlos von den eidbrüchigen Kreuzfahrernallenthalben niedergehauen. Kein Wunder also, wennsich jene über eine solche Treulosigkeit entrüsteten, undeine blutige Rache nahmen. Und solcher Gestalt hatteauch dieser Zug kein glücklicheres Ende, als alle vorher-gehenden.
Gleichwohl liessen es sich nach neun Jahren wiederandere Abentheurcr gelüsten, mit ansehnlichem Kriegs-