Band 
Erster Band.
Seite
137
JPEG-Download
 

Drittes Buch. iz?

katholischen Welt das kanonische Recht besteht/ gleicheinem Sauerteig, die ganze Masse der christlichenKirche durchgesäuert. Von dieser Zeit an wurde aberauch die Geschichte der Päbste nur bloß Geschichte un,unterbrochener Gewaltthätigkeiten, die in jenen Zeitenvielleicht darum das verdiente Aufsehu nicht machten,weil man sie unaufhörlich vor Augen hatte, und mitden herrschenden Grundsätzen des römischen Hofes schonallzuvertraut war, um noch etwas, was dieser unter-nahm, ungewöhnlich zu finden.

Fünftes Kapitel.

Mißhandlung der königlichen Majestät in derPerson Heinrichs II. von England. Innozcnzdes III. gcwalrrhärige Regierung. Entstehungneuer Mönchsorden. Inquisition. Höchste Stu-fe der päbstlichen Macht.

Nachdem die Päbste einmal alle bisherigen Verhält-nisse der Kirche gegen den Staat aus ihrer natürlichenLage gerücket hakten , war ihnen kein Mensch zu laster-haft , um sich seiner zur Erreichung ihrer Absichten zubedienen. König Heinrich II. von England hatte dasUnglück, einem der verruchtesten Menschen, dem Tho-mas Becker, sein Vertrauen zu schenken, unerreichbarin der Kunst zu heucheln, wußte er sich dem Monar-chen unentbehrlich zu machen. Heinrich war eben imBegriffe, seinen Klerus zu reformieren, und denselben,da er sich durch usurpierte Kirchenfreyheit ganz von der-bürgerlichen Gesellschaftsordnung trennte, wieder näheran den Staat zu knüpfen. Um ein so nützliches Unter-nehmen mit weniger Schwierigkeit ausführen zu kön-nen, schien es ihm nöthig, seinen Liebling Becker, dermit allen seinen Grundsätzen und Entwürfen vertrautwar, an die Spitze der brittischcn Geistlichkeit zu setzen.