Drittes Buch. 15s
noch irgend eine besondere göttliche Kraft haben können.
Das Pabstthum hatte sich während seines Aufenthaltsin Aviguon in der ganzen christlichen Welt sehr ver-ächtlich gemacht. Aber die Periode des gänzlichenVerfalles fieng sich eigentlich mit dem grossen Schismaan, welches durch die verunglückte Wahl Urbans VI.veranlasset wurde. Diesem Prälaten fehlte es an gu-ten Eigenschaften nicht. Allein er taugte in das Systemder damaligen Hofpolitik keineswegs, und bcgicng gleichnach seiner Wahl den unverzeihlichen Fehler, mit ebenden Kardinalen, welche ihn zur höchsten Wurde beför-derten , aus einem Tone zu sprechen, den sie nichtertragen konnten. Er deckte ihre Laster in einem öffent-lichen Konsistorium allzu sehr auf, als daß sie dabeyhätten gleichgültig bleiben können. Sie entzogen sichseinem Gehorsam, hiessen seine Wahl unrechtmäßig,und ernannten in der Person des Grafen Robert vonGenf einen Gegenpabst, der sich den Namen BlcmcusVII. gab.
Dieses Schisma in der Kirchenregicrnng veranlaßteVerbrechen, deren eines schlimmer als das anderewar. So wie sich jeder Pabst in dem Besitze seinerWürde durch Gewaltthätigkeit zu behaupten suchte, soraubte auch jeder so viel» als er in seine Gewalt be-kommen konnte, um sich durch Geschenke der Anhäng-lichkeit seiner Parthey zu versichern. Es war nur einRaub und nur eine Gewaltthat, welche ununterbrochenvon der einen wie von der andern Faktion ausgeübtwurde. Beyde verfluchten sich wechselweise, und beydehatten Leute an der Seite, welche ihnen als rechtmäs-sigen Nachfolgern des heiligen Petrus anhicngen. Ver-gebens' suchte man beyde Päbste zur sreywilligen NiesVerlegung ihrer Würde zu bereden. Keiner wollte demandern weichen , und jeder hielt sich berechtigt, alsHaupt der Kirche Gesetze zu geben. Unerhört find dieGreuel und Verwirrungen, welche in allen christlichen