Drittes Buch. 16s
Peter von der Lombardey, nicht den unglücklichenEhrgeitz gehabt hatte, allgemeines Orakel der damali-gen Theologen zu werden. Er sammelte aus verschie-denen Kirchenvatern gewisse Satze, ordnete sie in einSystem/ und nannte sie Sentenzen. Bis auf diesenAugenblick hatte man noch kein ähnliches Werk erschei-nen gesehen. Mit einer außerordentlichen Kürze wur-de darinn beynahe die ganze Dogmatik der damaligenZeit behandelt. Kein Wunder also / daß ein Werk vondieser Art allgemeines Lehrbuch wurde / und daß man-che falsche Hypothesen der Kirchenvater dogmatischesAnsetzn erhielten!
Mehr noch indessen als Peter von der Lombardey scha-deten im iz ten Jahrhundert Thomas von Aquin undJohann Bonavcntura der christlichen Dogmatik. Sowie diese beyden Männer Häupter zweyer neuer Mönchs-orden, der Dominikaner und Franziskaner, waren, sowirkten sie auch als solche auf die wissenschaftliche Kulturder Nazionen, die meistens nur von ihren Ordensgenossenabhieng, mit einer ausserordentlichen Macht. Sie hat-ten es als Oockores lerapbiLi <L angeliai dahin gebracht,daß der ganze Umfang des menschlichen Wissens in derarmseligen Kunst bestuhnd, alle Begriffe zu verwirren.Sie waren so scharfsinnig, zu entdecken , daß etwasphilosophisch wahr seyn könne, was nach theologischenGrundsätzen falsch seyn mußte. Diese unsinnige Unter-scheidung theologischer und philosophischer Wahrheitenerzeugte eine wilde Zanksucht, und berechtigte jedenFantasien, allen Abscheulichkeiten dogmatisches Ansehnzu verschaffen.
Wenn die Gelehrten der damaligen Zeit die Dogrmarik mit so nichtswärdigem Gezänke mißbrauchten,ist es denn wohl kein Wunder, daß die Päbste unddie Klerisey, welche weder Lust noch Zeit hatten, sichin die Labyrinthe so gelehrter Charlatane zu verwikeln,wiükuhriich und nach den Erfodernissen ihres Interesses