204 Einleitung.
einander sich vereinigen. Nicht viel mehr wurde aufden verschiedenen Religionsgesprächen gewonnen. Baldmachte der Pabst den Frieden unmöglich, und baldselbst die protestantische Parthey. Ueberhaupt schienersterer jede Vereinigung zu verhindern, Weileswohlvorauszusehen war, daß auch der vortheilhafteste Frie-de für ihn noch Verlust seyn würde. Mehr verspracher sich von den Wirkungen des gegenseitigen Miß-trauens beyder Partheyen; und schon war es unzwei-felhaft, daß das weltliche Schwerdt entscheiden müß-te, auf wessen Seite der Sieg seyn sollte.
Bari, dem es im Grunde gleichgültig gewesen wä-re, ob Deutschland katholisch oder protestantisch wer-den sollte, konnte es nicht verschmerzen, daß die pro-testantischen Stände neben ihrer Religionsfreyheit zu-gleich auch so eifersüchtig ihre politische Unabhängig-keit bewachten. Schon der Umstand, daß er in drin»genden Nothfällen nur mit grosser Mühe, und nie,ohne einige Opfer, von der reformierten Parthey un-terstützt wurde, beleidigte seinen herrschsüchtigen Stolz.Nur mit verborgenem Gramm sah er von der einenSeite die stets anwachsende Macht der Schmalkadi-schen Bundesgenossen, und von der andern die unauf-hörlichen Verletzungen seiner Reichsabschiede. So lan-ge er mit auswärtigen Feinden zu ringen hatte, ver-heimlichte er freylich seinen Groll, und äusserte stetseine Neigung zum Frieden. Allein bald ließ es sich,nachdem seine Kriege mit Frankreich aufhörten, nichtmehr bezweifeln, daß er mit den Waffen in der Handden Protestanten zu Leibe gehen würde. Gerne hätteer auch diese Absicht noch länger verheimlicht, um die-selben desto unvorbereiteter überfallen zu können. Aberunglücklicher Weise verrieth der Pabst durch eine Kreuz-bulle, worauf es abgesehen war. Von diesem Augen-blicke an rüsteten sich beyde Partheyen nachdrücklichzum Kriege. Obgleich der Kaiser durch listige Unter-