Viertes Buch. rrs
geworden. Die Jesuiten hielten sich so wenig an ih-re Aussprache, daß sie denselben vielmehr in allenStücken entgegen handelten. So wohl in der Dog-macick als in der Disciplin wurde zu Trident verschie-denes abgeschaft, was bisher allzuauffallend die christ-liche Lehre entstellt hatte. Allein bald wurden an dieStelle der abgeschaften Mißbrauche noch abschaffungs-würdigere eingeschoben, und unglücklicher Weise, wasvorhin nur bloß planloses oder zufälliges Uebel war,nun zum künstlichen System umgeschaffen.
Fünftes Kapitel.
Anstand der katholischen Rirche nach der Syno-de zu Tridenr bis aufdie Zeiten des Ianstnismus.
Zufolge des gewöhnlichen Gangs der Natur hatteDie von Lurhern bewerkstelligte Reformazion als eineBegebenheit, welche den herrschenden Begriffen desZeitalters eine neue Wendung gab, wenigstens dasSystem der katholischen Kirche in so weit verändernsollen, daß die despotisch-hierarchische Regierung inengere Gränzen beschrankt, und nach der einmal vol-lendeten Trennung der Protestanten von der alten Kir-chengemeinschaft in gleichen Schritten Dogmatik undMoral verbessert worden wären- Wein der Erfolgentsprach solchen Erwartungen nicht, und von allendem geschah gerade das Gegentheil.
Unstreitig haben die Protestanten unendlich gewon-nen , daß sie ihr vornehmstes Augenmerk auf den Un-terricht der Jugend wendeten, und frühzeitig dafürsorgten, dem Volke neben einer in die Landesspracheübersetzten Bibel faßliche Katechismen in die Händezu geben. Aber eben diese Sorgfalt von Seite derProtestanten nöthigte die Katholiken, ihren Lehrbegriffdurch gleiche Anstalten zu befestigen- Erst ließ Kaiser