22§ Einleitung.
zu gleicher Feit auch grausam zu machen, entwarf ebendieser Pabst einen Glaubenseid, wormn alle Geistliche,und wer überhaupt vom Kirchen-und Schulendienstlebte, schwöre» mußten, in Ansehung der berüchtigtenfünf Satze des Iansenius eben das zu glauben, wasAlexander und seine Vorführer geglaubt wissen wollten.
Wie unerträglich ein so muthwilliger Glaubenszwang,den zu allem Unglücke Ludwig XlV. mit seiner weltli-chen Staatsgewalt unterstützte, Leuthen seyn mußte,welche von der einen Seite den Ursprung desselben inder geschäftigen Rache der Jesuiten fanden, und vonder andern alle wahrscheinlichen Folgen einer so fürch-terlichen Gewissenstyranney voraussahen, läßt sich leichtbegreifen. Viele spotteten freylich nur über den so lä-cherlichen Glaubenseid, und schwuren ihn aus Schalk-heit Aber zärtlichere Gewissen liessen sich eher in dieBastille vergraben, oder flüchteten sich ins Ausland,als daß sie eidlich versichern wollten, etwas für wahrzu halten, was in ihren Auge» ganz falsch war.
Bald wäre es den porrroyalijrcn mittels einer un-gemein rührenden Bittschrift an den König gelungen,sich Ruhe zu verschaffen; und Riemens lX. glaubteein Mittel gefunden zu haben, durch eine gelindereErklärung des fatalen Glaubenseides, ohubeschadetseines Anfthns, der Kirche den Frieden geben zu kön-nen. Allein den Jesuiten war mit keinem Frieden ge-dient. Ihre unruhige Hofpolitik benutzte jeden günsti-gen Augenblik, ihren Gegnern zu schaden. Sie sa-hen, daß ihr Ordeusgcnosse, Pater Annar, schon einzu schwacher Greis sey, um als königlicher Beichtva-ter mit der nöthigen Thätigkeit das Interesse feinerGesellschaft zu befördern. Daher gaben sie ihm inder Person des Pater Ferner einen Gehülfen, demes an Geschmeidigkeit und Einsicht nicht fehlte, einHofpr ester zu seyn, gerade wie er für die furchtsameund stolze Seele eines Ludwig» XlV. brauchbar war.