Band 
Erster Band.
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Erstes Buch. 26l

re unstreitig eine jedesmalige gemeinschaftliche Vera«thung über die Anliegenheiten der Religion und Kir-che. Mittels einer solchen Berathung liessen sich denneigentlich alle gröbern Mißbrauche in der Disziplin,und größtentheils auch die Irrungen in der Dogma-tik entfernen oder ausgleichen. Jeder Bischof, dermit den Bedürfnissen seiner Kirche, so wie mit demGeiste der christlichen Religion bekannt wäre, könntenun, wenn römischen Legaten alle Wege der Caballenverschlossen würden, unter dem Beystande seiner einsich-tigsten Theologen bewirken, was zu Tridcnt nicht be-wirkt werden konnte, eine Reformazion nämlich, derendie katholische Kirche jetzt mehr, als jemals, benöthi-get ist. Um auch hierin» sicherer zu seyn, so könnteeine solche Berathung zu allen Zeiten der Wahl desPabstes vorangehen, und das Resultat derselben gleich-sam zur Kapitulazion des Neugewahlten gemacht wer-den. Denn die allgemeine Kirche, die an sich selbstschon über einen jeweiligen Pabst erhaben seyn soll,bleibt darum, daß sie ohne Haupt ist, um nichts we-niger allgemeine Kirche; und zu Ronstanz und Baselwurde diese Wahrheit fast in einem ähnlichen Falle be-wiesen.

Was aus den Kardinalen werden sollte, wenn et-wa der apostolische Stuhl anders wohin als nach Romund Italien verlegt würde, ist eine Frage, die in un-verwandter Rücksicht auf den Geist und das Bedürf-niß der Religion und der Kirche leicht zu beantwor-ten ist. In den ersten Jahrhunderten war der Nameund der Rang eines Kardinals eine ganz unbekannteSache. Was in der Folge unter einem solchen Namenverstanden werden mußte, war weiter nichts, als wasjeder grossem Kirche in der ganzen Christenheit ge-mein war. Jede grössere Stadt mußte der Volks-menge wegen in Pfarrbezirke abgetheilt werden , überderen jeder ein Seelsorger wachen mußte. Eine ahn-