408 Gesch. d. römischkath. Kirche.
tig benommen zu haben? so löset sich diese Frage dem-jenigen sehr leicht auf, der die Politick dieses Hofeskennet, und dem es nicht unbekannt seyn kann, daßdas Hauptvcrbrechen der Jesuiten fast nur darin» be-siuhnd, eben dasjenige, was der römische Hof be-zweckt, für sich selbst zum Vortheil ihrer Gesellschaftbeabstchtet zu haben; nämlich die Welt mittels einesgewissen religiösen Zaubers einzuschläfern, um übersie herrschen, und wahrend ihres Schlummers alleswas eine solche Herrschaft vortheilhaftes gewahrt,nur allein für sich gemessen zu können. Nicht allemalist es räthlich, daß sich zwey Rivalen um das Rechteines Dritten öffentlich schlagen. Ihr Geräusch könn-te zu leicht diesen Dritten aufwecken. Der römischeHof und die Jesuiten befanden sich offenbar in einersolchen Lage. Keiner konnte den andern eines Ver-brechens bezüchtigen, ohne sich selbst bloß zu stellen.Die Jesuiten haben die Welt unterjocht; aber es warein unverzeihlicher Fehler, es der Entscheidung desrömischen Hofes zu überlassen, ob dieses ein Ver-brechen sey oder nicht. Es mußte, so lange dieserHof bleibt, was er ist, eine solche Entscheidung stetszu Gunsten der Beklagten ausfallen; weil in diesemFalle Richter und Beklagte sich wechselseitig die glei-chen Verbrechen vorwerfen mußten.
Vergebens suchen die Zclanten mit dem edekn Ver-wände, der Unschuld beyzustehen, ihr Benehmen indieser Sache zu bemänteln. Man weiß es nur zu gut,baß sie die Jesuiten nur vertheidigten, um ihren eige-nen Handel nicht zu verderben. Vielleicht fehlte es auchan guten Köpfen unter ihnen nicht, welche die Folgen,die aus der Aufhebung eines Ordens, der mit so vie-ler Kunst und Anstand die Vernunft der Menschen be-jochcn konnte, nothwendig entstehen würden, voraus-sehen, und den wahrscheinlichen Verlust berechnen konn-ren, welchen der römische Hof leiden müßte, wenn