Freylich mag diese Behauptung, so traurig auch ihre Fol-gen für alle Völker der Erde seyn müssen, gegründetseyn. Allein , was vergrössert die Reiche , was bringthundert an Sitten, Sprache, Lebensart verschiedne Völ-ker in den gleichen Staatskörper als der Ehrgeitz der Kö-nige ? Dieser aber ist eine nothwendige Folge der monar-chischen Regierungsform , die ihn erzeugt und Jahrhun-derte durch begünstiget, also im Grund immer die Haupt-ursache bleibt, warum die grössere Hälfte der Menschenunter dem harten Joch des Despotismus seufzet.
Die innere Regierun chvcrwalrung der meisten Mo-narchien in Friedenszeiten ^errath die nämlichen Grund-sätze , welche so viel verheerende Kriege verursachen, undunter den Europäischen Mächten das Gleichgewichtssy-siem nothwendig gemacht haben. Hundert Fürsten be-trachten die Einkünfte des Staates als ihr Eigenthum,die Domainen der Krone als zu ihren Privakausgabenbestimmte Ländereyen, und halten sich Chatullen bloszum Zeitvertrieb. Ihre Günstlinge , Maitreffcn undJagdhunde , diese fürchterlichen Rubrickcn im Registerder menschlichen Plagen , verzehren oft in einem Jahr,was der Fleiß einer ökonomischen Regierung in einemhalben Jahrhundert gesammelt hat; und der Zoll, wel-chen jeder Unterthan, um den Staat unterhalten zu hel-fen , von dem Segen seines Schweißes entrichtet, wirdgerade zum Verderben und zur Zerstörung angewandt,Zwar behauptet der Philosoph mit Recht, die kleine Po-litik, welche zu der Regierung der Staaten die Tugend ent-behren zu können glaubt, sey falsch, und dem Wohlder Menschheit nachtyeilig ; auch könne ohne Tugend so-gar eine Monarchie ihrem politischen Tode nicht entgehen,Allein es muß von Tugend im weitem Sinn , also auchvon moralischer die Rede seyn, welche in dem verdor-her,stm Reiche, wo willkührliche Gewalt durch all?