Das hoff' ich, Jünglinge meines Vaterlands! Ihr habetso viel Verstand und Nachdenken, zu begreifen: Daß nichtsarmseligeres in der Welt sey, als daS Gute verderben zulassen, was Gott in uns gepflanzt hat; das Talent ver.graben, mit dem man schon in Euerm Alter gewinnenkann, und aus schläfriger Indolenz oder aus wildem Triebein minder guter Mensch seyn, als man an stch selberspürt baß man seyn könnte.
Ihr sehet Mtstudierende vor euern Augen, die sichselbst eben durch ihren Trieb auszeichnen, trefflich, undbald über das kleine Unangenehme der Anfänge hinaus zuseyn; und daß es ihnen allen gelingt, obfchon nicht allenganz gleich. Von Jahr zu Jahre sehet ihr in euern Lehr.büchern Beyspiele, ihr Schüler! von euern trefflichen Cr.zählungen an im Manubuctor, bis in euern Livius! IhrStudiosi in eurer steigenden Lektnr! Ihr Alle in euernvaterländischen Geschichten, in den Griechen- und Römer,beschreidungen, in den Büchern der Heil. Biblischen undder neuern Welk- und Kirchengerichte. Schaacen vonrdeln Menschen, die immer voll innweudiger Bewegungwaren, bald zu nützlichen Versuchen, bald zu kühnen Un.ternehmungen; die zu dieser innern Lebendigkeit nimmer»mehr gelangt wären, wenn sie in der schönsten Frühzeitdes Lebens die guten Regungen hätten lassen frucht- undkraftlos werden. Wenn der gute Saft in Saaten, Re-ben und Bäumen, im Frühling oder Sommer stocken wür-de, wie stühnd' es um Erndte und Herbst? Plularch hateine Menge ergötzliche Züge von den Jünglingstrreben undThaten der Weisen, der Redner, der Helden, der Wohl-thäter ihrer Zeitgenossen aufgezeichnet. Aber wenn wirauch in solchen preiswürdigen Büchern allemal die ganzeJugendzeit mit Stillschweigen Übergängen sähen, würdenicht jeder gute Kopf mit unverdorbnem Herzen aus sichselbst dabey denken: Was muß in diesen Seelen bey Zei,