HaUer vergleicht sich in diesem Zeitraum seines Lebensmit einer wilden Pflanze, die man aufwachsen läßt, ohnesie zu beschneiden; und gerade dieser Umstand war wahr.scheinlich die Hauptursache seiner künftigen, grossen Fort.schritte, und das Fundament der Universalgclehrsamkeit,die er sich nachher erwarb. Er war eigentlich für dieRechtsgelehrsamkeik bestimmt; aber sein thätiger Geist konntesich nicht einem Beruf unterziehen, der seinem NachforschenGrenzen gesezt haben würde, bey dem man ganz von Fvr»mularen und Autoritär andrer abhieng, und der, wie ersich selbst in einem Brief an seinen Freund Bonner mitHoraz ausdrillt, es ihm zur Pflicht machte : -ere-are r»vor/,« Und so wenig er sich in die Fesseln der
beschränkten Philosophie schmiegen konnte, welche ihm seinneuer Lehrer so nachdrüklich empfahl und einschärfte, soscheint es doch, er habe vorzüglich auf dessen Rath hinden Entschluß gefaßt, sich der Arztneykunst zu widmen,deren Studium eine solche Mannigfaltigkeit von wissen»schastlichen Gegenständen umfaßt, wie es dem Feuer undder Thätigkeit seines fähigen Geistes angemessen schien.Sobald er sich dazu entschlossen hatte, befolgte er einenregelmäßigern und einförmigem Studienplan, als ihmbisher zu thun möglich gewesen war; und in dieser Absichtbegab er sich gegen Ende deS Jahrs 1723. auf die Uni.versität Tübingen, wo er unter den Professoren EllasTamerarius und dü Vernoy seine Studien mit dem um
in diesem Umstand lieber seinen besondern Freunden Balthast,rund Tscharner alS andern Biographen gefolgt, weil lctztre nichtso gute Gelegenheit hatten, die Wahrheit zu erfahren. Ueber-dieß dient zur Bestäthigung ihres Zeugnisses, daß Hallee seinepoetischen Studien nicht beyseite setzte, und zu Tübingen seineMorgengedankcn und Sehnsucht nach dem Vaterlandeschrieb, welches die frühesten Gedichte sind, die er dem Publi-kum mitgetheilt hat.