Band 
Sechster Jahrgang.
JPEG-Download
 

Haller war von Person groß und majestätisch, undharre eine ernf.l-afte, ausdrucksvolle Miene, btsweil n ei»nen offenen, freundlichen B>>ck; der Ton seiner Stimmewar immer angenehm, gewöhnlich tief, selten erhoben,selbst wann er noch so sehr aufgebracht war. Er lieb-te, sich im gesellschaftlichen Umgang abzuspannen, undwar bey solchen Gelegenheiten ungemcin heiter, höflichuud aufmerksam. Er konnte sich mit Frauenzimmernüber Moden, Kleiderrrachten und andre Kleinigkeiten ebenso leichr unterhalten, als ob er nie von der Welt entferntgewesen wäre.

Herr Bomict sagte mir, Haller habe mit gleicher Fer-tigkeit deutsch, französisch und lateinisch geschrieben; seyMit allen europäischen Sprachen, die rußische, polnischeunv hungansche ausgenommen, so wohl bekannt gewesen,daß er sich mit allen Fremden in. ihren verschiedenen Lan-dessprachen unterhielt. Wenn er über irgend eine Wissen-schaft oder einen Gegenstand der Litteratur sprach, so warseine Kenntniß davon so ausgebreitet, daß es schien, alsob er sich besonders daraus verleget hätte. Jeder, dermit seinen Werk-m bekannt ist, weiß wie gründlich seineGelehrsamkeit in iebem Fache der Wissenscvasten war; aberdie Maiinigsaltigkcft seiner Kenntnisse und die Gewandt-heit seiner Talente, werden von einem Manne, der sein

besond-

„ künstlich ist; das blendet und zugleich ermüdet: Die Wärme„seines Umgangs war sanft; drang tief ein, erwärmte, und„schien denjenigen, der mit ihm redete, zu gleicher Hohe em-porzuheben. Wenn er schon seinen Vorzug fühlte — und wie„härte er denselben nicht suhlen können? — so beleidigte er„doch niemals die Eigenliebe. Er hörte die Einwürfe mit der„größten Geduld an, löste die Zweifel auf, und hatte nie„ den entscheidenden sind gebietenden Ton, als wen» es Dinge' »betraf, welche die Religion uud Sitten beleidigen konnten».