Band 
Sechster Jahrgang.
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litt Rufe. — Kaum wird man jemanden finden, der mitseiner eigenen Mutter so wohl gelebt hätte, wie Thomasmit seiner Stiefmutter, und zwar der zweytey schon, diesein Vater ins Haus gebracht; beyde liebte LNorus wieseine eigene Gcbährerin. Neulich erhielt er nun gar dieDritte; und er schwört heilig, er habe noch kein bessere-Wesen gekannt. Gegen alle seine Kinder, Schwestern,Verwandte, geht er so um, daß er ihnen mit seiner Liebeeben so wenig beschwerlich wird, als er's an der Aus«Übung irgend einer seiner dießfälligen Wichten im minde-sten erwinden läßt. — Von niedriger Gewinnsucht ist e»himmelweit entfernt. Er legt seinen Kindern so viel Ver-mögen beyseite, als er ihnen nöthig glaubt; das Uebrigeverwendet er reichlich auf Wohlthaten. Da er fich nochmit Sachwalken abgab, ertheilte er jedem den freundlich-sten und redlichsten Einschlag; wobey er immer mehr aufden Vortheil des Rathbedürftigen als auf seinen eigenensah. Die meisten pflegte er zu gütlicher Beylegung ihresZwistes zu bereden, weil es sie so am wenigcsten kostenwürde. Er war in seiner Geburthsstadt London einigeJahre lang Richter in Civilsachcn; dieses Amt ist garnicht beschwerlich, weil man nur Donnstags bis zum Mit-tag sitzen muß, und doch zugleich mit grosser Ehre beglei-tet. Niemand schlichtete da die Streitigkeiten geschwinder,und niemand bewies fich uneigennütziger; denn nicht sel-ten erließ er den Partheyen die gesetzmäßigen Sportuln.Dadurch machte er sich denn aber auch bey seiner ganzenBürgerschaft beliebt. Mit diesem Posten nun war er ent-schlossen sich zu begnügen, da derselbe ihm Ansetzn- ge-nug gab, und ihn dabey keinen grossen Gefahren aussetzte.Inzwischen wurde er doch von Zeit zu Zeit einmal zu Ge«sandtschafts - Geschäften gebraucht, und da er dieselbenaufs Klügste ausführte, so rnhete König Heinrich ssNl.nicht, bis er ihn an seinen Hof genöthigt hatte; oder