Band 
Fünfter Jahrgang, 1748.
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131
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geben, und freywillig schwach worden , alsihn Jacob bezwungen hat. Wie nun diesesebenfalls im Neuen Testament geschehen ist,Saß nemlich Christus sich seiner Allmacht eineZeitlang freywiülg begeben, solches aber nachdem Geständnis aller Theologen, eine wahr-hafte tiefe Erniedrigung gewesen; so über-lasse ich es ihrem Urtheil, ob das nicht ebenauch eine wahre Erniedrigung mag geneuntwerden, als Christus im A. T. mit Jacobin Menschen-Gestalt gerungen, und sich über-winden lassen. Um aber w ch dem zweytenEmivurf zu begegnen, antworte ich, daßnicht nur das Erempel Jacobs vorbanden,sondern auch noch andere Kennzeichen sich fin-den , woraus man auf eine Erniedrigung desewigen Sohnes GOttes im Alten Testamenteinen Schluß machen kan. Mm liefet inder Heil. Schrift ausdrücklich, daß Christusauch sousten sehr oft im A. T. den Thronseiner Herrlichkeit verlassen » vom Himmelauf die Erden herab gestiegen, einen mensch-lichen Cörper angenommen, sichtbarlich mitdenen sterblichen Menschen mehrenlbeils con-versirt , gegessen , getrunken , sich die Füssewaschen lassen, rc. Da nun diese und an-dere dergleichen im N. T. wiederum,nach aller Gelehrten Geständnis, zu demStand der Erniedrigung JElu gerechnetwerden; so stelle ich hiermit abermals zurreiflichen Neberlegung anheim, ob nicht diebemeldten im A. T. von Christo vorgenom-mene Handlungen ebenfalls als eine tieft Er-niedrigung anzusehen, und von rechtswegenmit stlchem letztem Namen zu belegen sind,wann gleich das Wort Erniedrigung inkeiner Stelle des Alten Testamentes vor,kommt; genug , daß die Sache sechsten ih-ren Grund allda vor sich hat. Dahero ebendardurch auch zugleich der dritte Einwurfdabin fällt.

Wann ich in der Anmerkung gesagt Chri-stus habe im Alten Testament feine göttlicheGestalt ausgeleeret, und ausser sich selbst ge«fetzt; so verstehe ich durch die göttliche Ge-statt keineswegs seine göttliche Natur, oderWestn sechsten, weiches der Vater durch die

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Zeugung von Ewigkeit her ihm mitgetheilethat, noch immer mittheilet , und in alleEwigkeit ihm mittheilen wird , sondern viel-mehr seine äußerliche svnsten hervorstrahlendeHerrlichkeit, oder äusseriichen Gebrauch undAusübung der göttliche» Eigenschaften, rc.Diese Gestalt halte er (wie der Apostel andie Phil. II. 7 . nach der besten Eregeten Er«kläruug des daselbst befindlichen Grundwor-tes , redet) ausgeleeret, oder ausser sich selb.sten gesetzt, das ist , auch damals schon desvölligen, des unumschränkten Gebrauchs,z. Er. seiner Allwissenheit, Oenes. VI. s. 7 .XilX. r i. reiner Allmacht, 6enes. xxxil.r.8. rc. auf eine Zeitlang sich enthalten.Wenn also gesagt wird, Christus habe seinegöttliche Gestalt ausser sich selbst gesetzt , soherßt das nicht elwan so viel, als wenn ersein göttliches Wesen, oder seine göttliche Ei-genschaften ab- oder weggeleget, welches eineeonrrLciiÄion wäre Sondern es wird viel-mehr dardurch deutlich angezeiget, daß erseine göttliche Eigenschaften, z. Er. seine All«macht bey dem Kampf Jacobs nicht ge-braucht oder ausgeübet, dagegen aber wieeinen schwachen Menschen sich darstellen, undalso zugleich ein schönes Vorspiel seiner künf-tigen Menschwerdung aus Maria der Jung-frauen im N. T. damit geben wollen.

Dieses wäre also die kurze Erklärung übermeine Anmerkung , welche ich aber beyder-seits dem Urtheil der Gelehrten in aller Be-scheidenheit hiermit unterwerffen will. Soltejemand mit andern Gründen mich eines bessfern überzeugen, uud darthun , daß obigeSätze mit der Heil. Schrift nicht überein-stimmetcn; so würde ich mich keineswegsschämen , solche völlig zu revociren , und zu-gleich geziemender Massen zu bitten, daßman es ansehen möchte, als ob sie niemalsgeschrieben worden. Denn mir ist es nichtum ettele Ehre zu thun , sondern ich sucheeinzig und allein Wahrheit, Frieden undGottseligkeit, und bin, wie denen Lastern,also auch den Irrthümern von Herzen feind.

Was das so genannte ttroklema rkeolo-Zicui» in dem Auszug des zweyten Theils,R»